Wegleitung: Praktikum I und Journal

Umfang der Tätigkeit an Maturitätsschulen:
allgemein:               20 Lektionen Hospitation und 30 Lektionen Unterricht
reduzierte Version: 15 Lektionen Hospitation und 25 Lektionen Unterricht

1. Ziele und Inhalte

Ziele des Praktikums I

Im Praktikum I transferieren die Studierenden Inhalte ihrer fachwissenschaftlichen, erziehungswissenschaftlichen und fachdidaktischen Ausbildung in die Unterrichtspraxis. Beim Unterrichten sammeln und reflektieren sie Erfahrungen in der Gestaltung von Fachunterricht, in der Klassenführung und in der Leistungsbeurteilung auf möglichst allen Klassenstufen der Maturitätsschule, in denen das betreffende Fach unterrichtet wird (vgl. Studienordnung § 27). Hospitationen dienen der Beobachtung verschiedener Lehr- und Lernformen sowie der Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Unterrichtsstilen von Lehrpersonen.

Des Weiteren lernen die Studierenden die Komplexität des Schulalltags und verschiedene Aufgabenfelder von Lehrpersonen kennen (klassenübergreifende Anlässe, Unterrichts- und Schulentwicklung usw.).

Ziele des Praktikumsjournals

Begleitend zum Praktikum I verfassen die Studierenden ein Praktikumsjournal. Dieses gibt Aufschluss über Lerngelegenheiten, die im Laufe des Unterrichtspraktikums genutzt wurden, sowie über Entwicklungsperspektiven im Hinblick auf das Unterrichtspraktikum II (vgl. Merkblatt zum Praktikumsjournal für Studierende (PDF, 179 KB)).

Inhalte und Aktivitäten im Praktikum I

Die Ziele des Praktikums I können durch folgende Aktivitäten erreicht werden:

I. Fachliches Wissen und Können
Die Studierenden

  • planen Unterricht ausgehend von Sachanalysen.

II. Allgemein- und fachdidaktisches Wissen und Können
Die Studierenden

  • orientieren sich am schulischen Lehrplan.
  • planen mehrere Lektionen und gehen dabei didaktisch begründet vor.
  • formulieren und verfolgen Lernziele.
  • erkunden die Voraussetzungen der zu unterrichtenden Schülerinnen und Schüler (Erfahrungen, Interessen, Vorwissen, Rahmenbedingungen im schulischen Kontext).
  • stellen den Schülerinnen und Schülern aktivierende Aufgaben.
  • erproben Verfahren zur Leistungserhebung, analysieren Leistungsnachweise der Schülerinnen und Schüler und ziehen Folgerungen für den nachfolgenden Unterricht.

III. Pädagogisch-psychologisches Wissen und Können
Die Studierenden

  • führen Klassen, erproben Kommunikationsstrategien, interagieren mit Gruppen und gehen pädagogisch begründet mit allfälligen Störungen um.
  • erteilen kognitiv aktivierenden Unterricht.
  • nutzen Verfahren und Methoden, um die Schülerinnen und Schüler zu motivieren und ihre Lernprozesse anzuregen.
  • befassen sich damit, wie die Schülerinnen und Schüler lernen.
  • setzen Feedback zur Unterstützung der Lernprozesse der Schülerinnen und Schüler ein.

IV. Professionelle Selbstregulation, Kooperation, Reflexion
Die Studierenden

  • führen mit der Praktikumslehrperson Vorbesprechungen zur Unterrichtsplanung durch und reflektieren ausgewählte Unterrichtssequenzen.
  • reflektieren ihr Selbstmanagement.

2. Rahmenbedingungen, Umfang und Dauer

Umfang und Dauer

Das Praktikum I dauert maximal zehn Wochen und umfasst 50 Lektionen, von denen mindestens 30 Lektionen unterrichtet und maximal 20 Lektionen hospitiert werden (vgl. Studienordnung § 28, Abs. 3).

Das Modul «Praktikum I» entspricht 8 ECTS Credits.

Besondere Unterrichtsaktivitäten:
«Aktive Beteiligung ausserhalb des Unterrichts»

Maximal 15 der unterrichteten und maximal 10 der hospitierten Lektionen können im Rahmen einer aktiven Beteiligung an einer Studienwoche, an einer Exkursion  oder an einem fächerübergreifenden Projekt der Praktikumsklasse(n) absolviert werden (vgl. Studienordnung § 28, Abs. 4). Die aktive Beteiligung besteht in der Vorbereitung, Durchführung und Auswertung von Aufträgen und in der Übernahme einzelner Unterrichtssequenzen. Die Anzahl der als erteilt anrechenbaren Lektionen liegt im Ermessen der Praktikumslehrpersonen. Empfohlen wird die Anrechnung von maximal drei Lektionen erteilten Unterrichts pro Tag in einer Studienwoche bzw. von zwei Lektionen pro Tagesexkursion. Die sonstige Beteiligung kann mit zwei bis maximal drei hospitierten Lektionen honoriert werden.

Zeitliche Ressourcen der Studierenden

Ein gutes Gelingen des Praktikums setzt ausreichende zeitliche Ressourcen nicht nur zur Unterrichtsvorbereitung, sondern auch für Vor- und Nachbesprechungen voraus. Daher verpflichten sich die Studierenden, ihre weitere Arbeitstätigkeit während des Praktikums auf einen Umfang von höchstens 50 Stellenprozente einzuschränken.

Die Studierenden nehmen terminliche Absprachen vor, die neben den zu beobachtenden und den durchzuführenden Lektionen auch Zeitfenster für Vor- und Nachbesprechungen sowie für die Schlussbesprechung umfassen.

Betreuung durch Praktikumslehrpersonen

Die unterrichteten Lektionen können von zwei Praktikumslehrpersonen betreut werden. Die hospitierten Lektionen können bei weiteren Lehrpersonen besucht werden.

Gestaltungsfreiräume

Die Studierenden sollten mindestens eine längere zusammenhängende Unterrichts- sequenz unterrichten können. In einem Teil der zu erteilenden Lektionen sollte die Themenwahl den Studierenden überlassen werden, damit sie im Rahmen des Lehrplans eigene Ideen erproben und Interessenschwerpunkte umsetzen können.

Praktikumsjournal: Aufwand, Umfang und Inhalte

Die Studierenden verfassen während des Praktikums I ein Praktikumsjournal. Dies entspricht einem Pflichtmodul zu 2 ECTS Credits, das separat gebucht werden muss.

Im Praktikumsjournal geben die Studierenden Aufschluss über Lerngelegenheiten, die sie im Laufe des Unterrichtspraktikums genutzt haben. Es beinhaltet drei Hauptaktivitäten (vgl. Merkblatt zum Praktikumsjournal für Studierende (PDF, 179 KB)):

  • Materialsammlung (erstellte und verwendete Unterrichtsmaterialien),
  • Reflexion (Hauptteil),
  • Standortbestimmung mit Entwicklungszielen.

3. Begleitung mit Unterrichtsbesprechungen

Erstgespräch

Vor dem Praktikum I besprechen die Praktikumslehrperson und die Studentin bzw. der Student in einem Erstgespräch die Erwartungen an das Praktikum und nehmen terminliche Absprachen vor, die neben den zu beobachtenden und zu unterrichtenden Lektionen auch Zeitfenster für Vor- und Nachbesprechungen sowie für die Schlussbesprechung umfassen.

Vor- und Nachbesprechungen

Zur Unterstützung des Lernens der Studierenden besprechen die Praktikumslehrperson und die Studentin bzw. der Student einzelne Lektionen oder Lektionssequenzen insbesondere zu Beginn des Praktikums. Besonders lernförderlich sind Vorbesprechungen zur gemeinsamen Planung von Unterricht. Ebenfalls von grosser Bedeutung sind Nachbesprechungen der Lektionen (Hervorhebung des Gelungenen, Reflexion einzelner verbesserungswürdiger Punkte, Folgerungen für die nächste Lektion).

Die Unterrichtsbesprechungen erfolgen auf der Grundlage einer schriftlichen Lektionsplanung oder eines Lektionsentwurfs und von Materialien, die im Unterricht eingesetzt wurden oder entstanden sind.

Im Dokument Leitfragen zur Planung und Reflexion von Unterricht (PDF, 156 KB)werden Anregungen zu möglichen Leitfragen für die Vor- und Nachbesprechungen der Lektionen angeboten.

Adaptive Begleitung

Die Praktikumslehrpersonen unterstützen die Eigeninitiative der Studierenden und lassen sie Lehr- und Lernformen erproben, die sie während ihrer erziehungswissenschaftlichen und fachdidaktischen Ausbildung kennengelernt haben.

Bei weiter fortgeschrittenen Studierenden werden die Intensität und die Häufigkeit der Besprechungen angemessen reduziert.

Schlussbesprechung

Nach dem Praktikum I findet innerhalb eines Monats eine Schlussbesprechung statt. Diese Besprechung erfolgt u. a. mit Bezug sowohl auf Elemente des Praktikumsjournals der Studentin bzw. des Studenten als auch auf den Bericht der Praktikumslehrperson. Zu berücksichtigen ist dabei, dass die im Praktikum I vorgenommene Standortbestimmung (DOCX, 46 KB) und die formulierten Entwicklungsziele als Basis für die erste Besprechung des Praktikums II dienen.

4. Dokumentation

Das Praktikum I wird sowohl von den Studierenden (Praktikumsjournal inklusive Standortbestimmung) als auch von den Praktikumslehrpersonen (Praktikumsbericht) dokumentiert.

Praktikumsjournal der Studierenden

Die Studierenden führen während des Praktikums I ein Praktikumsjournal. Verbindliche Angaben zum Praktikumsjournal finden sich im Merkblatt zum Praktikumsjournal (PDF, 179 KB).

Im Schlussteil des Praktikumsjournals verfassen die Studierenden eine Standortbestimmung im Hinblick auf ihre weitere professionelle Entwicklung. Sie reflektieren bereits vorhandene Kompetenzen und formulieren mögliche Entwicklungsziele, die sie im Rahmen des Praktikums II verfolgen wollen (vgl. Formular «Standortbestimmung nach dem Praktikum I im Hinblick auf das Praktikum II» (DOCX, 46 KB)).

Die Praktikumslehrperson bestätigt ihre Kenntnisnahme des Praktikumsjournals mit ihrer Unterschrift.

Praktikumsbericht der Praktikumslehrperson

Die Praktikumslehrperson verfasst einen Praktikumsbericht zum Praktikum I anhand der im Formular zum Praktikumsbericht (PDF, 405 KB) aufgeführten Aspekte. Das Formualr selber dient – ausgefüllt und von beiden Seiten unterschrieben – als Deckblatt für den ausformulierten Bericht.

Der Bericht zeigt auf, welche Inhalte die Studierenden unterrichtet haben, worin die Stärken des erteilten Unterrichts bestehen und auf welche Kompetenzbereiche die weitere Entwicklung fokussieren sollte. Es können Möglichkeiten für die weitere Kompetenzentwicklung aufgezeigt werden.

Der Praktikumsbericht bezieht sich auf im Rahmen des Praktikums angesprochene Themen und wird den Studierenden anlässlich des Schlussgesprächs vorgelegt. Er wird sowohl von den Studierenden als auch von deren Praktikumslehrperson unterzeichnet. Die Studierenden bestätigen damit ihre Kenntnisnahme.

Adressatinnen und Adressaten des Praktikumsberichts

Der Praktikumsbericht richtet sich an die Ausbildungsverantwortlichen des Studiengangs LfM, insbesondere an die Dozierenden für Fachdidaktik, und an die Studierenden. In Fällen, in denen der Erfolg der Ausbildung infrage gestellt ist, bildet der Praktikumsbericht eine wichtige Grundlage für die Beratung und die Leistungsbeurteilung.

Der Praktikumsbericht soll ausschliesslich zu Ausbildungszwecken (und nicht als Beilage von Bewerbungen) verwendet werden.

Die Praktikumslehrperson schickt den Praktikumsbericht zusammen mit dem vollständigen Praktikumsjournal der Studierenden an die Administration der Abteilung LLBM, welche die Unterlagen zur Kenntnisnahme an die zuständige Dozentin bzw. an den zuständigen Dozenten für Fachdidaktik weiterleitet.

5. Bestehenskriterien für das Praktikum I und das Praktikumsjournal

Bestehenskriterien für das Praktikum I

Der Leistungsnachweis zum Unterrichtspraktikum besteht in der bestätigten Hospitation von 20 Lektionen, in der Planung und Durchführung von 30 Lektionen sowie in den hierzu erfolgten Besprechungen (vgl. Studienordnung § 29). Bei der Entscheidung über das Bestehen sind die nachfolgenden Anforderungen zu berücksichtigen:

Die Studentin bzw. der Student

  • absolviert das Praktikum zuverlässig (hält sich an Abmachungen, ist pünktlich, reserviert genügend Zeit für Vor- und Nachbereitung und Besprechungen des Unterrichts, zeigt Interesse an Rückmeldungen usw.).
  • hat sich intensiv mit den fachlichen Themen auseinandergesetzt.
  • ist in der Lage, fachliche Inhalte zu strukturieren und zu vernetzen (Sachanalyse).
  • kann fachliche Inhalte auf die Voraussetzungen der Schülerinnen und Schüler abstimmen.
  • kann Lernziele formulieren und im Unterricht verfolgen.
  • stellt verständliche, motivierende und kognitiv aktivierende Aufgaben.
  • wählt zielführende didaktische Methoden und Sozialformen.
  • verfügt über geeignete Formen der Ergebnissicherung und Leistungskontrolle.
  • steht in gutem Kontakt mit der Klasse und mit den einzelnen Schülerinnen und Schülern.
  • führt die Klasse rollengemäss.
  • interveniert bei Störungen angemessen.
  • drückt sich sprachlich korrekt und verständlich aus.
  • führt lernförderliche Gespräche im Unterricht.
  • vermag den Unterricht, den Umgang mit der Klasse sowie die eigene Arbeitsweise kritisch-konstruktiv zu reflektieren und, wo nötig, Anpassungen vorzunehmen.
  • berücksichtigt Erkenntnisse aus den Besprechungen mit der Praktikumslehrperson und lässt diese erkennbar in die eigene Unterrichtsplanung und -gestaltung einfliessen.


Bestehenskriterien für das Praktikumsjournal

Die Studentin bzw. der Student

  • reflektiert auf sechs bis acht Seiten zwei bis drei Fragestellungen unter Einbezug erziehungswissenschaftlicher und/oder fachdidaktischer Literatur.
  • dokumentiert eine Auswahl aus der Materialsammlung im Anhang des Praktikumsjournals.
  • bestimmt den aktuellen Stand der eigenen professionellen Entwicklung (inklusive Entwicklungsziele).

6. Organisation und Zuteilung

Voraussetzung/Anmeldung

Das Praktikum I findet nach dem erfolgreichen Abschluss der Module «Fachdidaktik I», «Fachdidaktik  II» und «Übungslektionen» statt.

Die Studierenden melden sich per Anmeldeformular (PDF, 168 KB) bei der Administration zum Praktikum an - die Anmeldung kann für die Praktika I und II gleichzeit erfolgen:

  • Praktikum im Frühjahrssemester (möglicher Zeitraum: Ende Februar bis Anfang Juli): Anmeldung bis spätestens am 15. Dezember.
  • Praktikum im Herbstsemester (möglicher Zeitraum: Ende August bis Anfang Februar): Anmeldung bis spätestens am 15. Juni.

Das Modul «Praktikum I» muss - wie auch das Modul «Praktikumsjournal» - von den Studierenden regulär gebucht werden.

Zuteilung

Die Praktikumslehrpersonen werden von der Abteilung LLBM vermittelt. Die Dozierenden für Fachdidaktik haben ein Vorschlagsrecht für die Zuteilung ihrer Studierenden zu einer Praktikumslehrperson. Die Studierenden können Wünsche hinsichtlich des Schulortes und der Praktikumslehrperson anbringen. Diese werden nach Möglichkeit berücksichtigt.

Das Praktikum I darf grundsätzlich nicht an den Schulen stattfinden, an denen die Studentin bzw. der Student selbst zur Schule gegangen ist, gegenwärtig unterrichtet oder bereits länger als insgesamt ein Semester unterrichtet hat (vgl. Studienordnung § 30, Abs. 1).

Das Unterrichtspraktikum I wird in der Regel nicht bei derselben Praktikumslehrperson absolviert wie die Übungslektionen (vgl. Studienordnung § 30, Abs. 2).

Kontaktaufnahme

Die Studentin bzw. der Student nimmt umgehend nach der Zuteilung Kontakt mit der Praktikumslehrperson auf, um erste Terminabsprachen zu treffen und ein Erstgespräch zu vereinbaren.

7. Vorgehen bei Schwierigkeiten

Treten während des Praktikums I Schwierigkeiten auf, soll frühzeitig mit der verantwortlichen Dozentin bzw. mit dem verantwortlichen Dozenten für Fachdidaktik das Gespräch gesucht werden (vgl. «Vorgehen bei Schwierigkeiten während der berufspraktischen Ausbildung» (PDF, 145 KB)).

Die Kontaktaufnahme kann durch die Praktikumslehrperson oder die Studentin bzw. den Studenten erfolgen.

8. Rechtsgrundlagen

Die verbindlichen Rechtsgrundlagen für das Praktikum I und das Praktikumsjournal sind in der Studienordnung zum Studiengang «Lehrdiplom für Maturitätsschulen» in den §§ 27 bis 31 festgehalten.

 

Diese Wegleitung wurde im Januar 2016 verfasst und am 3. Februar 2016 publiziert. Letzte Änderungen:
- 11.6.16: sprachliche Präzisierung, Vereinheitlichung des Layouts der Merkblätter
- 13.6.16: Neue Version der Formulare zur Standortbestimmung