Erinnerung als soziale Praxis - Familien in der Migration zwischen Vergangenem und Gegenwärtigem

Während in der Frage aktueller Fluchtbewegungen sowohl auf politischer als auch auf gesellschaftlicher Ebene häufig ein Fokus auf Formen, Möglichkeiten und Bedingungen der Integration in die Aufnahmegesellschaft vorherrscht, werden in diesem ethnographisch angelegten Projekt, das neben teilnehmenden Beobachtungen unter anderem Familiengespräche erhebt, weniger die Integrationsmöglichkeiten in die Aufnahmegesellschaft, als vielmehr innerfamiliäre Erinnerungs- und Konstitutionsprozesse unter Bedingungen von Fluchtbewegungen in den Blick genommen, die in einen spezifischen gesellschaftlichen Kontext eingebunden sind. Im Zuge des Ankommens in einem neuen Kontext geht es nicht nur darum, einen eigenen Platz als Individuum zu finden, sondern auch um die Tradierung von Familienbildern und die Erinnerungsarbeit in Familien. Im Zentrum des Projektes stehen im Anschluss daran soziale Erinnerungspraktiken von Familien in der Migration. Fragen, die dabei in den Blick genommen werden, sind etwa: Wie konstituieren sich Familien in der Migration? Wie ordnen sie die „alte“ und die „neue“ Welt und auch die Passagen der Flucht? Wie verleihen sie ihrem Alltag und den vertrauten und unbekannten Routinen Sinn? Inwiefern sind Erinnerungen an gemeinsam Erlebtes für Vergemeinschaftungsprozesse innerhalb der Familie bedeutsam? Welche Rolle spielen dabei als eigene und als fremde konzipierte Sprachen?

Weiterführende Informationen: Projektflyer "Erinnerung als soziale Praxis" (PDF, 154 KB)