Mehrsprachigkeit als soziale Praxis – Situative und sprachbiographische (Re-)Konstruktionen von Differenz und Zugehörigkeit unter Jugendlichen im mehrsprachigen Kontext

Dauer: 2010-08 to 2015-08

Ausgehend von einem Diskurs um Mehrsprachigkeit, der vor allem von defizitorientierten und verwertungslogischen Argumenten dominiert ist, wird in der vorliegenden Studie darüber hinausgehend ein Vorgehen gewählt, das den mehrsprachigen Alltag jugendlicher Sprecherinnen und Sprecher sowohl in seiner situativen als auch in seiner biographischen Dimension in den Mittelpunkt stellt. Dafür wurden Schülerinnen und Schüler einer bilingualen Gymnasialklasse an der deutsch-französischen Sprachgrenze in der Schweiz beobachtet und befragt. Die um eine biographische Perspektive erweiterte Ethnographie der Mehrsprachigkeit ist geeignet, den alltäglichen Umgang Jugendlicher mit (ihrer) Mehrsprachigkeit in einem institutionellen Setting und darüber hinausgehend detailliert zu beleuchten. Mehrsprachigkeit wird in dieser Arbeit als soziale Praxis konzipiert, über die sowohl situativ als auch biographisch soziale Positionierungen der Akteurinnen und Akteure hervorgebracht und verhandelt werden, die als Differenz- und Zugehörigkeitspraktiken gelesen werden können. Wie vielschichtig sich der sprachliche Alltag in einer zweisprachigen Klasse, aber auch die biographischen Verläufe und die Konstruktionen von Mehrsprachigkeit der Jugendlichen gestalten, wird gerade über eine Kombination eines ethnographischen und eines biographischen Zugangs deutlich. Die Rekonstruktion der beobachteten Sprachpraktiken, aber auch des Sprechens der Jugendlichen über ihre Sprachen und ihre (sprach)biographischen Erfahrungen – ermöglicht eine differenzierte Darstellung des sprachlichen Alltags der Jugendlichen sowie der erlebten und im Interview reflektierten alltäglichen und biographischen Anforderungen, die der Besuch einer bilingualen Schulklasse mit sich bringt. So kann auch die Frage der Selbstpositionierungen und des Positioniert-Werdens mit den damit einhergehenden Differenzsetzungen, der Herausbildung und Reproduktion sozialer Zugehörigkeiten und insbesondere auch sozialer Ungleichheiten differenziert in den Blick genommen werden.