Anlage der Untersuchung

Das Projekt verläuft in drei Phasen, die zugleich die Analyseebenen darstellen:

1. die phänomenologisch-faktische Ebene
Hier soll zunächst die sehr heterogene, kantonal geprägte gymnasiale Bildungslandschaft erfasst werden. Es werden Basisinformationen zur Ausgestaltung des Gymnasiums in den 26 Kantonen der Schweiz – von Aargau bis Zug − zusammengetragen. Anhand von Schlüsselmerkmalen wie der Maturitätsquote, den jeweiligen Schwerpunktwahl-Möglichkeiten und -Präferenzen, dem Angebot an Immersions- und Informatikunterricht, dem Anteil der Gymnasiasten mit Ausländerstatus und weiteren Faktoren entsteht ein für jeden Kanton ein charakterisierendes Profil. Aus diesen Daten und Zusammenhängen soll sich ein umfassendes Bild der gymnasialen Bildungslandschaft ergeben, das Gemeinsamkeiten, Unterschiede und Besonderheiten der einzelnen Kantone zeigt und damit vermittelt, ob und inwiefern der Interpretationsspielraum, den das MAR gewährt, tatsächlich genutzt wird. Zugleich handelt es sich dabei um jene Merkmale, auf die in den bildungspolitischen Debatten regelmässig als Beleg für einschlägige Argumente verwiesen wird und die sich zum Inbegriff bestimmter Problemlagen entwickelt haben.

2. die diskursive Ebene
Der zweite Teil stellt eine Aufbereitung des aktuellen Diskurses über die Gymnasien dar: eine Analyse der Leitmotive und wesentlichen Probleme, der wiederkehrenden Fragestellungen und wichtigsten Argumente. Dabei werden sowohl Studien berücksichtigt, welche die schweizerische, aber auch solche, welche die internationale, d.h. vor allem die europäische Situation behandeln. An der laufenden Debatte beteiligen sich Einzelpersonen und Gremien, von der EDK Beauftragte und initiativ gebildete Gruppierungen, die alle in der einen oder anderen Form in das Bildungswesen involviert sind. Ihre Befunde, Überlegungen und Empfehlungen kreisen um stets ähnliche Themen und Problemlagen, favorisieren aber unterschiedliche Lösungen. Hier gilt es, den Diskurs zunächst einmal aufzubereiten und die verschiedenen Positionen samt ihren Hauptargumenten einander gegenüberzustellen. Gerade bei den gross angelegten, schweizweiten Expertisen ist aufzuschlüsseln, welche Massnahmen aus welchen Gründen vorgeschlagen oder verworfen werden. Auf diesem Wege kann eruiert werden, wo Konsens herrscht, wo Missverständnisse und wo Dissens. Der Blick über die Landesgrenzen hinaus ist dabei unerlässlich und sicher fruchtbar: einige europäische Länder setzen sich gerade mit denselben demographischen und bildungspolitischen Szenarien auseinander. Dies zwar unter z.T. ganz anderen Rahmenbedingungen, aber gerade das eröffnet die Chance, die eigenen Probleme im fremden, aber doch vertrauten Umfeld zu sehen und dabei neue Lösungsansätze zu finden, welche die eidgenössischen Verhältnisse nicht unbedingt nahelegen, die aber doch überdenkenswert sind.

3. die normative/konstruktive Ebene
In der dritten Phase und in der Konsequenz des Vorhergehenden sollen Vorstellungen über das Gymnasium der Zukunft entwickelt werden. Die Teile 1 und 2 sind als Basis für die Empfehlungen und Vorschläge konzipiert, die den dritten Teil des Berichts bilden und seinen eigentlichen Kern. Hier soll geklärt werden, welche Massnahmen − vor alIem im Hinblick auf den gesellschaftspolitischen Auftrag des Gymnasiums − sinnvoll und realistisch sind. Dabei werden die Forderungen und Wünsche an ein ideales künftiges Gymnasium konfrontiert mit den Gegebenheiten der faktischen und den diskutierten Möglichkeiten auf der diskursiven Ebene. Der normativ/konstruktive Teil umfasst dabei sowohl grundsätzliche Reflexionen zur Bedeutung und Funktion von Bildung überhaupt als auch eine Auseinandersetzung mit den bildungspolitischen Bedingungen der Schweiz, d.h. mit der Frage, welche Funktion das Gymnasium im kantonalen und nationalen Bildungssystem laut Gesetz sowie gesellschaftlichen Normen gemäss zu erfüllen hat. Die Ausrichtung auf diesen Fluchtpunkt bildet das Kriterium dafür, was an Veränderung bzw. Verbesserung des Gymnasiums sinnvoll und wichtig ist, und die Aufbereitung der gymnasialen Verhältnisse sowie der öffentlichen Diskussion sollten gezeigt haben, welche Optionen realistisch und konsensfähig sind.