KoS - Kontextorientierte Schulentwicklung

Eine fallvergleichende Studie zu adaptiv-kompensatorischen Handlungsstrategien von Primarschulen

Dauer: Februar 2014 bis Januar 2017

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Schulen stehen infolge ihrer erweiterten Selbstständigkeit zunehmend in der Verantwortung, kontextorientierte Strategien für die kompensatorische Bearbeitung sozial ungleicher Bildungschancen zu entwickeln und umzusetzen. Insbesondere Primarschulen mit ‚schwierigen‘ sozialen Kontextbedingungen sind hierbei mit dem strukturellen Widerspruch einer möglichst effektiven adaptiven Förderung sozial benachteiligter Schüler/innen und der Generierung von Selektionsprämissen für die Regulierung des Übergangs in die Sekundarstufe konfrontiert.

Im Zentrum des SNF-Projekts steht vor diesem Hintergrund die Frage, wie diese Schulen ihre sozialen und institutionell-organisatorischen Kontextbedingungen inter-pretieren, wie sie den strukturellen Widerspruch von Förderung und Selektion bearbeiten und welche schulinternen Orientierungen bei der Planung und Umsetzung adaptiv-kompensatorischer Förderung handlungsleitend sind. Theoriegrundlage des Projekts ist dabei zum einen der organisationssoziologische Sensemaking-Ansatz, zum anderen die handlungstheoretische Beschreibung von Rekontextualisierungsprozessen im Mehrebenensystem des Bildungswesens.

Das Forschungsprojekt ist als kontrastiver Fallvergleich (Querschnitt) angelegt, wobei als Fall die einzelne Primarschule als organisierte Handlungseinheit definiert wird. Für die methodische Umsetzung des Projekts ist ein Triangulationsdesign (Ergebnis- und Perspektiventriangulation) vorgesehen, das es ermöglichen soll, sowohl die Prozesshaftigkeit der Rekontextualisierungspraxis als auch die Struktur der sozialen, institutionellen und schulinternen Kontextbedingungen dieser Praxis zu berücksichtigen. In der methodischen Umsetzung werden qualitativ-rekonstruktive mit standardisierten Erhebungs- und Auswertungsmethoden kombiniert. Auf dieser Methodenbasis und auf Grundlage des theoretischen Rahmens sollen einerseits schulische Rekontextualisierungsstrategien typisiert, andererseits schulspezifische Fallportraits erstellt werden. Für das Projekt werden sieben Primarschulen in der Stadt Zürich mit vergleichbarem sozialen Kontext ausgewählt, die aufgrund des sozialen Hintergrunds ihrer Schüler/innen in das Schulentwicklungsprogramm QUIMS aufgenommen worden sind und sich hinsichtlich ihrer Grösse und ihrer adaptiv-kompensatorischen Förderstrategien maximal unterscheiden. Pro Schule werden a) je ein problemzentriertes Interview mit der Schulleitung und zwei Gruppendiskussionen mit Lehrpersonen und pädagogisch-therapeutischen Fachpersonen durchgeführt und nach der Dokumentarischen Methode ausgewertet, sowie b) standardisierte Befragungen von Lehrpersonen, pädagogisch-therapeutischen Fachpersonen und Schüler/innen durchgeführt. Diese Analysen werden ergänzt mit schulspezifischen Informationen aus Dokumenten und Evaluationen.

Das Forschungsdesign und die theoretische Fundierung sollen es ermöglichen, über die Identifikation einzelner situativer Bedingungsfaktoren für gelingende adaptiv-kompensatorische Praxis hinausgehend die komplexen Sinnbildungs- und Entscheidungsprozesse als Möglichkeitsbedingungen kontextsensitiver Schulentwicklung innerhalb der Schulen rekonstruieren zu können. Damit erweitert diese Studie den bisherigen Forschungsstand zum Verständnis schulischer Praxis in der Einzelschule in Bezug auf die Bearbeitung sozialer Ungleichheiten.