MA-Forschungsseminare

Profilübergreifendes Forschungsseminar mit Beginn HS 2018

Titel: Fragen der Pädagogischen Profession und Professionalität sowie des professionellen Handelns
Kurzbeschreibung:

Der Professionsbegriff kann als positiv konnotierter, hegemonialer Begriff verstanden werden. Eine pädagogische Profession bezeichnet einen Beruf im pädagogischen Feld, der sich je nach Definition durch spezielle, als wertvoll erachtete Eigenschaften auszeichnet. Die pädagogische Professionalität wird als wünschenswerter Zustand verstanden, der auf die Qualität berufsbezogenen Handelns und somit auf die Befähigung beruflicher Rollenträger*innen hinweist. Professionelles Handeln wird mit gutem, richtigem oder kompetentem Handeln gleichgesetzt. Als hegemonialer Begriff verliert sich im Professionsbegriff jedoch der Inhalt, und es stellt sich die Frage, was Profession/Professionalität/professionelles Handeln je nach Denkstil bedeutet und welche Funktion die Begriffe in unterschiedlichen Diskursen einnehmen. Dies stellt den Ausgangspunkt und das Interesse des Forschungsseminars dar und soll ermöglichen, sich in professionsbezogene Fragen zu vertiefen.

Erstens kann die Frage nach (dem Wandel) der Bedeutung und Beschaffenheit pädagogischer Professionalität kritisch diskutiert und analysiert werden. Professionelle Handlungsfelder von Pädagoginnen und Pädagogen sind durch Ambivalenzen, Ambiguitäten und Unsicherheiten geprägt. Gerade diese Charakteristiken verleihen der Frage der Legitimität pädagogischen Handelns aber auch der pädagogi-schen Professionalität besondere Relevanz.

Zweitens können die durch die Professionalisierung verstärkte Rollenidentifikation und die damit ein-hergehenden Zuständigkeiten der Professionen in pädagogischen Feldern reflektiert werden. Dazu gehört einerseits die Analyse einzelner Professionen im Sinne von Rollenideologien, andererseits das Hervorbringen von professionellen Zuständigkeitsbereichen in der Zusammenarbeit in pädagogischen Feldern.

Drittens kann die Relation von Gesellschaft, Individuum und Profession in pädagogischen Feldern fokussiert werden. Dabei kann auf gesellschaftliche Anerkennungsverhältnisse, aber auch auf das Selbstverständnis von Professionellen und der identitätsstiftenden Funktion Bezug genommen werden.

Für Studierende der Erziehungswissenschaft lohnt es sich – auch hinsichtlich des eigenen professionellen Selbstverständnisses –, sich mit der Frage der Professionalität in pädagogischen Feldern auseinanderzusetzen. Die Fragen betreffen sowohl den allgemeinbildenden elementaren und gymnasialen Bereich, als auch die Felder der Berufsbildung, von ausserschulischen Angeboten sowie der Sonder- und Sozialpädagogik. Das bewusst breit gefasste und doch inhaltlich gerahmte Thema des Forschungsseminars bietet viele interessante Fragestellungen, die mit unterschiedlichen Methoden (qualitativ, quantitativ, textanalytisch, historisch) angegangen werden können. Die Dozierenden bringen insbesondere methodische Kenntnisse aus der quantitativen bzw. qualitativen Forschungstradition mit, werden jedoch eng mit den Forschungsstellen zusammenarbeiten, so dass alle Studierenden in ihrem Forschungsprozess professionelle Unterstützung erhalten.

Ziel des Forschungsseminars ist es, das wissenschaftliche Arbeiten der Lernenden prozessorientiert zu begleiten und zu unterstützen. Als Abschluss ist die Herausgabe einer eigenen, internen Zeitschrift mit Peer-Review geplant.

Zeitfenster: Freitag, 8-12 Uhr, 14-täglich
Dozierende: Dr. Sarah Forster-Heinzer und David Labhart
Modulverantwortung: Prof. Dr. Roland Reichenbach und Prof. Dr. Elisabeth Moser Opitz

Profilübergreifendes Forschungsseminar mit Beginn FS 2018

Titel:

Big Data in Education: Steuerungsimpulse durch statistische Daten (data-driven decision-making)

Kurzbeschreibung:

Die digitale Revolution führt dazu, dass immer mehr Daten erhoben und gespeichert werden. Im letzten Jahrhundert war Erdöl der wichtigste Rohstoff der modernen Industriegesellschaft, heute nehmen Big Data und Wissen diese Funktion ein. Welche Big Data werden zur Steuerung der Bildung in einer datengestützten Bildungspolitik überhaupt zur Verfügung gestellt? Und wie leiten sie auf der Basis von „evidence based policy“ bildungsrelevante Entscheidungen? Wir gehen davon aus, dass das Wissen zu Erhebungen und der Umgang mit bildungs- und steuerungsrelevanten Daten für die Studierenden der Erziehungswissenschaften von grösster Bedeutung sind. Big Data wird heute oft in Bezug gesetzt zu a) Datenerhebung und -verarbeitung: z.B. Large-Scale assessments, Online-Erhebungen, Datenspeicherung (Anonymität der Daten), Replizierbarkeit der Ergebnisse, etc. und b) Datenverwertung: z.B. Datenpräsentation, Monitoring, Legitimierung und Verbesserung von bildungspolitischen Entscheidungsprozessen. Um die aktuellen Entwicklungen in diesem Themengebiet nachzuvollziehen, wird der Zyklus der Datenerhebung, -verarbeitung und -verwertung im Seminar in einen historischen Kontext eingebettet sein. Die Anfänge der Bildungsstatistik im 19. Jahrhundert und ihre Professionalisierung – u.a. innerhalb der Bildungsplanungsstellen der Kantone – werden genauso thematisiert wie die Entstehung der aktuellen Steuerungsansätze, die stärker auf Daten/Output/Outcome fokussieren (evidence based policy). Dabei geht es weniger um die konkrete Bearbeitung von Big Data-Datensätzen als um ein kritisches Nachdenken über Big Data, den Umgang mit solchen Daten, ihre Aufbereitung und (intuitiv verständlichen) Darstellung bis hin zur Transferthematik.

Die unterschiedlichen Forschungsperspektiven, die am IfE vertreten sind, werden durch die bewusst weit gefasste Themenvorgabe berücksichtigt. Unser Seminarkonzept bietet explizit eine breite Palette an Forschungsansätzen (qualitative, historische, textanalytische oder quantitative) an, welche abhängig von der Fragestellung gewählt werden. Die Dozierenden arbeiten mit der Fachstelle Methoden am IfE zusammen, um unterschiedliche methodische Herangehensweisen der Studierenden professionell unterstützen zu können. Zudem arbeiten die Dozierenden spezifisch für dieses Forschungsseminar mit weiteren Partnern (z.B. SKBF, Schweizerische Nationalbibliothek, Bildungsplanung Kanton Zürich, Institut für Bildungsevaluation UZH) zusammen. Die Studierenden werden daher von der Fragestellung bis zum fertigen Forschungsergebnis kompetent begleitet.

Mögliche Themen (Fragestellungen) für die Forschungsarbeiten der Studierenden könnten sein:

  1. Datenerhebung und -verarbeitung:
    • Wie hat sich die Datenaufbereitung für die Steuerung im Laufe der Zeit inhaltlich und methodisch verändert?
    • Welche Datenqualität bieten Online-Erhebungen?
    • Wie könnte die zukünftige Datenerhebung für die bildungspolitische Steuerung verbessert werden?
  2. Datenverwertung:
  • Wie werden Daten zu Steuerungszwecken dargestellt?
  • Wie fliessen die Daten in den bildungspolitischen Prozess ein (durch wen? in welchem Aggregationsstatus? zu welchem Zweck und mit welchem Resultat?)
  • Welche Daten werden für Steuerungsentscheide zur Verfügung gestellt?
  • Wie müssen Ergebnisse für Praxispartner/innen aufbereitet sein?

Das Seminar schliesst mit einem öffentlichen Anlass „Big Data für die Steuerung der Bildung“ am IfE ab, den die Studierenden durch die Themen ihrer erstellten Arbeiten mitgestalten.

Zeitfenster: Freitag, 8.00-12.00 Uhr, 14-täglich
Dozierende:

Dr. Esther Kaufmann (LS TEB) und Amanda Nägeli (LS HBS)

Modulverantwortung:

Dr. Esther Kaufmann

Profilübergreifendes Forschungsseminar mit Beginn HS 2017

Titel: Wem gehört Bildung?
Forschungsseminar zu Deutungs- und Besitzansprüchen an Bildung und Erziehung
Kurzbeschreibung:

Bildung und Erziehung sind als immaterielle Güter an sich keiner Verknappung unterworfen. Dennoch ist der Zugang zu Bildung – obwohl in der Regel als öffentliches Gut gehandelt – für viele Individuen eingeschränkt. Dies liegt nicht zuletzt daran, dass unterschiedliche individuelle oder kollektive Deutungs- und Besitzansprüche an Bildung und Erziehung gerichtet werden, die auch zueinander im Konflikt stehen. Die Besitzansprüche erfolgen aus unterschiedlichen Interessen und sind dabei oft an
Vorstellungen gebunden, die Bildung gerade nicht für alle in gleichem Masse zugänglich machen, sondern andere Ziele verfolgen (bspw. eine möglichst kompetitive Wirtschaft). Es stellt sich deshalb die Frage, wer eigentlich welche Position in die Debatte miteinbringt, wer sich längerfristig durchsetzen kann und welche Auswirkungen dies für die Bildungsbeteiligung hat.

Ausgehend von dieser Überlegung, leitet das Forschungsseminar die Studierenden an, in einem der drei folgenden Fragekomplexe eine eigenständige Forschungsarbeit zu konzipieren und durchzuführen. Erstens kann untersucht werden, wer welche Vorstellungen in die Auseinandersetzung über Bildung und Erziehung einbringt. Dabei ist von Interesse, wer die kulturellen Fähigkeiten, die ökonomischen Kapazitäten und das legitime Recht besitzt, zu sprechen. Der Bezug auf die einflussnehmenden Akteure
führt zudem zur Frage nach den normativen Werten und Rechtfertigungen, die von diesen in die Aushandlungen eingebracht werden. Zweitens kann ins Zentrum gerückt werden, wie Bildungssysteme und Erziehungsverhältnisse zu den unterschiedlichen Ansprüchen ins Verhältnis gesetzt werden können bzw. wie diese Vorstellungen Institutionen und Organisationen von Bildung und Erziehung zu prägen vermögen. Drittens schliesslich, kann die Frage bearbeitet werden, wer von der jeweiligen Ausgestaltung profitiert. Im Rückschluss auf Aspekte der Bildungsbeteiligung stellt sich die Frage, welchen spezifischen Interessen diese Anspruchshaltungen letztlich dienen. Dies bezieht sich sowohl auf die einflussnehmenden Akteure als auch auf die Adressatinnen und Adressaten von Bildung und Erziehung.

Diese weit gefasste Forschungsperspektive ermöglicht, die unterschiedlichen Forschungsperspektiven, die am Institut für Erziehungswissenschaft versammelt sind, miteinzubeziehen und dennoch eine inhaltliche Rahmung zu schaffen. Die Studierenden werden angehalten, ihre Forschungsarbeiten aus den Bereichen und Fragestellungen ihres Stammprofils heraus zu entwerfen und einen der drei Fragekomplexe zu bearbeiten. Je nach Zuschnitt der studentischen Forschungsarbeit ist es angebracht, dieses quantitativ, qualitativ, historisch oder textanalytisch auszurichten. Die beiden Dozenten verfügen über Forschungserfahrung in allen diesen methodischen Zugangsweisen (Expertise in historischen, diskursanalytischen und quantitativ-textanalytischen Zugängen, mit Abstrichen auch in Methoden der
qualitativen Sozialforschung), in Einzelfällen soll mit der Fachstelle Methoden kooperiert werden.

Mögliche studentische Forschungsprojekte bieten sich in folgenden Feldern an:

  • Wahrnehmungen, Vorstellungen und Deutungen von Bildung durch pädagogische Professionelle, Adressaten pädagogischer Angebote oder weitere Beteiligte in Bildungseinrichtungen
  • Politische Steuerungsformen und der Wandel von Gesetzgebungen
  • Veränderungen der sozialen Ordnung, bspw. in der öffentlichen Darstellung
  • Bildungsbeteiligung in verschiedenen Feldern (wobei hier auf bestehende Datensätze zugegriffen werden kann: SHP, Tree etc.)

Aufgrund der Offenheit der Themenstellung können diese Fragekomplexe an unterschiedlichen erziehungswissenschaftlichen Gegenstandsbereichen untersucht werden (öffentliche und private Bildungsangebote, unterschiedliche Ausbildungsstufen, unterschiedliche Lebensalter, Sonder- und Regelpädagogik etc.).

Zeitfenster: Freitag, 8-12 Uhr, 14-täglich
Dozierende:

Raphael Zahnd und Philipp Eigenmann

Modulverantwortung: Prof. Dr. I. Hedderich und Prof. Dr. Ph. Gonon