Tagung Chancen(un)gleichheit und Schulentwicklung

Die gleichermassen bildungs- wie gesellschaftspolitisch relevante Frage, wie das öffentliche Bildungswesen auf die sozial ungleiche Verteilung von Bildungschancen reagieren soll, ist in den 1960/70er Jahren mit einer Strukturreform der Schule und des Bildungssystems beantwortet worden. Demgegenüber setzten die Schulautonomisierungspolitiken sowie die steuerungspolitische Hinwendung zu Wettbewerbselementen und New Public Management in den vergangenen Dekaden veränderte Rahmenbedingungen: Innerhalb der Mehrebenenstruktur des Bildungssystems wird die Bearbeitung des Bezugsproblems Bildungsungleichheit strukturell an die Einzelschule als ‚pädagogische Handlungseinheit‘ delegiert. Aus der Perspektive der Schulentwicklungsforschung rücken damit neben der Schulstrukturfrage drei zentrale Parameter in den Fokus: die sozial-räumliche Situiertheit von Schulen, die institutionell-organisatorischen Rahmenbedingungen sowie die kontextbezogenen Schulentwicklungsstrategien der einzelnen Schulen.

Mit welcher Varianz und mit welchen sozialen Folgen Schulen im Spannungsverhältnis von Selektion und Förderung agieren, ob und unter welchen Bedingungen sie in Bezug auf strukturelle Bildungsungleichheit Teil der Lösung sein können oder mithin Teil des Problems sind, und inwiefern institutionell-organisatorische Rahmenbedingungen diese Prozesse beeinflussen, soll im Rahmen der Tagung auf Basis empirischer, theoretischer und praxisbezogener Beiträge diskutiert werden.

Die Tagung bietet die Möglichkeit, den Zusammenhang zwischen Chancen(un)gleichheit und Schulentwicklung intensiv zu diskutieren. Neben den Keynotes sind auf das Tagungsthema bezogene Einzelbeiträge sowie Symposien vorgesehen, in denen einzelne Beiträge zu einer rahmenden Fragestellung vorgestellt und gemeinsam diskutiert werden. Die Einzelbeiträge werden vom Programmkomitee thematisch gebündelt und zu einer „Paper Session“ zusammengefügt.

Die Beiträge können theoretisch, empirisch und/oder stärker praxisbezogen ausgerichtet sein und sollten eine zur Tagung passende Thematik intensiv beleuchten. Ebenso sind methodisch-methodologische Reflexionen von empirischen Zugängen zur Bearbeitung des Zusammenhangs zwischen Chancen(un)gleichheit und Schulentwicklung erwünscht.