Institut für Erziehungswissenschaft

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Platzierungsprozesse bei Kindeswohlgefährdung – sozialpädagogische Krisenintervention bei Kleinkindern

Dauer: 2011 bis 2015

Aufgrund der aktuellen Debatte um Kindeswohl und Kinderschutz interessiert mich die Herstellung, die soziale Konstruktion von Kindeswohlgefährdung. Wie wird ein Kind, eine Familie überhaupt erst zu einem „Fall“, einem „Fall von Kindeswohlgefährdung“? Wie verläuft der Prozess ab Eingehen einer Kindeswohlgefährdungsmeldung? Wo treten sozialpädagogische Instanzen auf und inwiefern sind sie an der Fallkonstruktion beteiligt? Welche Rolle spielen dabei die Eltern, die nächsten Bezugspersonen des Kindes sowie das Kind selbst? Im speziellen interessiert die Phase der Abklärung und Aushandlung zwischen dem Eingang einer Gefährdungsmeldung und dem Platzierungsentscheid. In der Schweiz übernehmen neben SOS-Familien insbesondere sozialpädagogische Kriseninterventionen die Aufgabe der Betreuung während der Abklärung der weiteren Unterbringung eines Kindes. Oft geht damit ein Obhutsentzug einher. An diesem Prozess der Entscheidungsfindung sind SozialpädagogInnen, SozialarbeiterInnen, Kinder, Eltern und nächste Bezugspersonen beteiligt. Wie sich empirisch zeigt, wird die Entscheidungsfindung durch ein hochgradig schnelllebiges, fluides Feld bestimmt. SozialpädagogInnen müssen dieses „sich schnell verändernde und krisenhafte“ täglich an der Grenze zwischen Familie und Staat bearbeiten. Die Fragestellung meiner Untersuchung richtet sich folglich auf die sozialpädagogische Handlungspraxis und den Deutungsprozess in Kindeswohlgefährdungs- Lagen. Das Forschungsfeld wird in einem ethnographischen Zugang erschlossen. Die Datenerhebung erfolgt über teilnehmende Beobachtung (Ko-Konstruktion des „Falles“), Gespräche im Feld, Interviews und Audiodaten von Sitzungen: hier werden im Rahmen eines professionellen Settings Deutungen produziert. Der Grounded Theory folgend wird theoretisch gesampelt und nach kontrastiven Vergleichen gesucht. Vorgesehene Analysemethode ist die sequentielle Auswertung um den Verlauf, den Deutungsprozess der Fallkonstruktion rekonstruktiv nachvollziehen zu können.