Forschungscluster „Bildung und Digitalisierung“

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Hintergründe und Ziele des Forschungsclusters

Die technologischen Entwicklungen bringen für das Bildungswesen viele neue Möglichkeiten, aber auch Herausforderungen. Unter dem Schlagwort der „Digitalisierung“ wird die bisherige Bildungspraxis teilweise mit neuen Technologien ergänzt und erweitert, teilweise aber auch modifiziert oder grundlegend transformiert. Insbesondere über deren Auswirkungen im Zusammenspiel von Bildungsstrukturen, Bildungsangeboten, Bildungsprozessen und Bildungswirkungen ist bis anhin noch zu wenig bekannt. Mit besonderem Fokus auf Schulen und Hochschulen sollen im Forschungscluster "Bildung und Digitalisierung" deshalb Beiträge zur Klärung folgender Fragen und Themenschwerpunkte geleistet werden:

  1. Wie verändern digitale Technologien die Inhalte und Zielsetzungen von Bildung?
  2. Welchen Einfluss hat die Integration von digitalen Medien auf Lehr- und Lernprozesse und deren Qualität (z. B. in den Bereichen der Unterrichtsqualität, der Individualisierung und Differenzierung von Lernformen, der Lerndiagnostik und Leistungsbewertung)?
  3. Wie kann mit den möglichen problematischen Auswirkungen einer verstärkten Medienintegration umgegangen werden (z. B. in Bezug auf Chancengleichheit, Datenschutz, Cybermobbing, Kommerzialisierung oder Plagiarismus)?
  4. Wie kann eine wirksame Aus- und Weiterbildung von Lehrenden im Kontext des digitalen Wandels gestaltet werden?
  5. Welche Unterstützung ist für die Bewältigung des digitalen Wandels im Bildungswesen notwendig (z. B. in den Bereichen Schulentwicklung, Curriculumsentwicklung und Governance)?

Tätigkeiten

DigiDienstag

Zur Förderung des internen Austauschs finden regelmässige informelle (digitale) Treffen der Cluster-Mitglieder statt, an denen Themen zur digitalen Transformation im Bildungswesen im Fokus stehen. Termine: Jeweils am ersten Dienstag im Monat während des Semesters, 12:00-13:00 Uhr (bei Interesse an einer Teilnahme bitte anmelden: Sekretariat).

Forum "Education and Digital Transformation"

Für den breiten wissenschaftlichen Austausch initiieren wir eine öffentliche und interdisziplinäre Vortragsreihe mit herausragenden Persönlichkeiten, die die digitale Transformation des Bildungswesens massgeblich prägen. Die Impulse aus den Gastvorträgen werden in öffentlichen Paneldiskussionen vertieft und weiterentwickelt. Die Vortragsreihe startet im Herbstsemester 2021 (Mittwoch: 16:15-17:45 Uhr). Geplant sind drei Vorträge sowie eine Paneldiskussion, die sich schwerpunktmässig der Fragestellung 2 (Auswirkungen der digitalen Transformation auf die Qualität von Lehr- und Lernprozessen) widmen. Weitere Fragestellungen werden in den Folgejahren behandelt.

Forschungsprojekte und Forschungskooperationen

Die Klärung der identifizierten Forschungsfragen erfordert sowohl eine breite empirische Basis als auch mehrperspektivische Betrachtungen, so dass die Bündelung der Forschungsaktivitäten der Cluster-Mitglieder im Fokus steht. Zudem sollen langfristig gemeinsame Forschungsprojekte initiiert werden. In Bezug auf die oben genannten Fragestellungen im Bereich der Digitalisierung findet sich hier eine Auswahl unserer Forschungsprojekte:

Digitale Transformation der Sekundarstufe II (DigiTraS II)

Das Projekt verbindet eine nationale repräsentative Bestandsaufnahme mit Fallstudien in besonders innovativen Schulen. Die Studie umfasst alle Schultypen der Sekundarstufe II und befragt Schulleitungen, Lehrpersonen sowie Schülerinnen und Schüler. Im Vergleich mit den letzten repräsentativen Befragungen der Schweiz und mit ähnlich gelagerten europäischen Studien geht es der Studie um eine umfassende Beschreibung der Veränderungen der schulischen Lehr- und Lernkultur im Kontext der digitalen Transformation.

Projektleitung: Prof. Dr. Dominik Petko (Themenschwerpunkte 1, 2, 5)

Zusammenarbeit und digitale Kompetenzen in (Hoch-)Schule und Unterricht (ZuDiKo)

Angehende Lehrpersonen verfügen über eine hohe Kooperationsbereitschaft – doch das Bild der Lehrperson als Einzelkämpfer/in besteht weiterhin. Häufig scheitert eine produktive Zusammenarbeit auch an strukturellen Voraussetzungen (z. B. räumliche Distanzen). Das Projekt verfolgt daher zwei wesentliche Ziele: 1) Schaffung der Voraussetzungen für eine lernwirksame, kollegiale Zusammenarbeit (kommunikative Kompetenzen, Unterrichtsplanungskompetenz), 2) Flexibilisierung der Zusammenarbeit zwischen Lehrpersonen im Hochschul- und Schulkontext durch digitale Tools (digitale Kompetenzen).

Projektleitung: Dr. rer. nat. Eva Becker, Prof. Dr. Fritz Staub (Themenschwerpunkt 4)

Motivation und Wohlbefinden von Studierenden und Lehrenden in Zeiten von COVID-19

Das Projekt befasst sich mit dem Einfluss zugehörigkeitsunterstützender Verhaltensweisen von Dozierenden auf die Befriedigung des Bedürfnisses nach Zugehörigkeit von Studierenden sowie mit deren Einstellungen, Motivation und Wohlbefinden im Online-Unterricht während der Massnahmen zur Eindämmung von COVID-19. Nebst den Verhaltensweisen der Lehrpersonen wird auch ein möglicher Einfluss der Art der Veranstaltung (z. B. Seminar vs. Vorlesung) und des verwendeten Kommunikationskanals (z. B. Video vs. kein Video) untersucht. Weiter werden ebenfalls die Bedingungen für Zufriedenheit und Wohlbefinden der Dozierenden beim Online-Unterricht untersucht.

Projektleitung: Dr. phil. Vanda Sieber, Prof. Dr. Anna Praetorius (Themenschwerpunkt 2)

Teaching Science at University (TSAU MOOC)

Hochschullehre wird oft von professionellen Wissenschaftler*innen mit wenig pädagogischer oder didaktischer Ausbildung durchgeführt. Dieses Forschungsprojekt betrachtet die Verwendung eines Massive Open Online Course (MOOC) als Vehikel, um wissenschaftliches Lehrpersonal an Universitäten bei der Entwicklung von Fähigkeiten zur Anwendung von pädagogischen Best Practices in ihrer eigenen Lehre zu unterstützen.

Projektleitung: MA Sara Petchey, Prof. Dr. Kai Niebert (Themenschwerpunkte 2, 4)

Homework Engagement and Digital Cheating (PISA 2018)

Im Rahmen der Begleitbefragungen von PISA 2018 wurde Schweizer 15-Jährigen eine Reihe von zusätzlichen Fragen zu möglicherweise problematischem Hausaufgabenverhalten gestellt, z. B. durch heimliche Nutzung von Internetquellen und gegenseitiges Abschreiben via Social Media. Die Studie möchte die Daten zu produktiver Mediennutzung bei Hausaufgaben mit Daten zur möglichen Kehrseite ergänzen, um so ein differenziertes Bild zu gewinnen und Zusammenhänge mit Testleistungen zu erkunden.

Projektleitung: Prof. Dr. Dominik Petko (Themenschwerpunkt 3)

S-CLEVER. Schulentwicklung vor neuen Herausforderungen

Während der Covid-19-Pandemie mussten die Schulen in kürzester Zeit digitale Lösungen für das Lehren und Lernen der Schüler*innen und die Zusammenarbeit der Lehrpersonen finden. Das Ziel der S-CLEVER-Studie ist es, die entsprechenden Schulentwicklungsstrategien sowie deren positiven und negativen Effekte für das Lernen und den Lernerfolg der Schüler*innen zu untersuchen.

Projektleitung: Prof. Dr. Katharina Maag Merki (Themenschwerpunkt 3, 4, 5)