Schriftliche Datenerhebungen

Neben den Videoaufnahmen kamen umfangreiche Befragungen und Tests zum Einsatz. Die internationalen Instrumente wurden durch schweizerische Zusatzerhebungen ergänzt. Ziel war es, Kenntnisse über relevante Faktoren zu gewinnen, welche die Gestaltung des Unterrichts und dessen Bildungswirkungen beeinflussen. Die Inhalte der schriftlichen Erhebungsinstrumente der internationalen und nationalen Studie werden hier kurz vorgestellt.

Der internationale Lehrerfragebogen

Mit dem internationalen Lehrerfragebogen, welcher in allen Teilnehmerländern eingesetzt wurde, wurden Daten zum Kontext, zur Zielsetzung und zu besonderen Merkmalen der gefilmten Lektionen erhoben. Ausserdem wurden Angaben zur Klasse, zur Schule und zum Werdegang (Ausbildung, Weiterbildung) der gefilmten Lehrpersonen erhoben.

Der internationale Schülerfragebogen

Mit dem internationalen Fragebogen für Schüler und Schülerinnen wurden soziodemographische Angaben wie Alter, Geschlecht, Nationalität, Bildungsabschlüsse der Eltern usw. erfasst. Nach Absprache mit der internationalen Projektleitung konnten diese Fragen in den nationalen Schülerfragebogen integriert werden.

Der schweizerische Lehrerfragebogen

Der nationale Fragebogen für die Lehrpersonen wurde in Ergänzung zum internationalen Befragungsinstrument entwickelt. Es konnten damit Aussagen zu pädagogischen Einstellungen und Überzeugungen und zu didaktischen Konzepten und deren Umsetzung im täglichen Unterricht erhoben werden. Weiter wurde nach Grundmustern der Lektionsgestaltung und nach der Selbstwahrnehmung des Unterrichts in Bezug auf Merkmale der Unterrichtsqualität gefragt.

Der schweizerische Schülerfragebogen

Der schweizerische Fragebogen für Schüler und Schülerinnen fragte nach der Wahrnehmung des Fachunterrichts (Prozessmerkmale) durch die Lernenden, und es wurden relevante Variablen auf der Nutzungsseite des Unterrichts erhoben. Dazu gehören die motivationalen Dispositionen, das fachliche Interesse und das Selbstkonzept der Lernenden. Weiter wurden die Schüler und Schülerinnen zu ihrem Lebens- und Lernkontext (soziokulturelles Umfeld, elterliches Interesse an der Schule, elterliche Unterstützung bei den Hausaufgaben, Stütz- oder Nachhilfeunterricht, Mediennutzung etc.) befragt. Das umfangreiche Befragungsinstrument besteht aus zwei Teilen, welche den Schülern und Schülerinnen im Abstand von zwei Wochen während der regulären Unterrichtszeit zur Beantwortung vorgelegt wurden.

Der schweizerische Kurzfragebogen für Schüler und Schülerinnen

Ein Jahr später, im 9. Schuljahr, wurde den Schülern und Schülerinnen in der Deutschschweiz und im Tessin ein Kurzfragebogen zur Erfassung der motivationalen Dispositionen vorgelegt. Zentrale Aspekte dieses Bereichs, welche bereits im oben beschriebenen schweizerischen Schülerfragebogen erfragt worden waren, wurden hier nochmals nachgefragt. Die Daten erlauben es, Aussagen zur Stabilität von motivationalen Einstellungen, Interesse und mathematischem Selbstkonzept der Schülerinnen und Schüler zu machen.

Schweizerische Mathematikleistungstests

Die Mathematikleistungen wurden in der Schweiz zu zwei Testzeitpunkten im Abstand von einem Jahr erhoben: in der Mitte der 8. Klasse (Januar 2000) und ein Jahr später, gegen Ende der neunten Klasse (März 2001). Beim eingesetzten Testinstrument handelt es sich um den mathematischen Teil der TIMSS 1994 Leistungsstudie. Die quasi-längsschnittliche Implementierung des Tests eröffnet die Möglichkeit, die Leistungsentwicklung der videographierten Klassen zu kontrollieren und diese mit weiteren zentralen Variablen der Studie in Beziehung zu setzen.

Kognitiver Fähigkeitstest

Erwiesenermassen wird eine Vielzahl der im Schülerfragebogen erhobenen Variablen von der individuellen Begabung (Intelligenz) beeinflusst. Um diesen Sachverhalt angemessen zu berücksichtigen, wurde in der Deutschschweiz und im Tessin ein kognitiver Fähigkeitstest eingesetzt. So können die Fragebogendaten in einen grösseren Zusammenhang gestellt und differenziert analysiert werden, was zu einer optimalen Validierung der Ergebnisse führt. Zur Anwendung kam der Wort- und Figurenanalogientest eines bestehenden Testinstrumentariums zur Erhebung allgemeiner kognitiver Fähigkeiten (Kognitiver Fähigkeitstest, KFT 4-13+). Die Fähigkeitstests wurden von geschulten Untersuchungsleitern gemäss den vorgegebenen Richtlinien durchgeführt.