Prof. Dr. Miriam Leuchter

2009 Promotion in Pädagogischer Psychologie an der Philosophischen Fakultät der Universität Zürich Doktorarbeit mit dem Titel „Die Rolle der Lehrperson bei der Aufgabenbearbeitung. Unterrichtsbezogene Kognitionen von Lehrpersonen“
Gutachten: Prof. Dr. Kurt Reusser und Prof. Dr. Eckhard Klieme

Stationen vor der Promotion

  Kindergärtnerin in der Schweiz und in Schweden
2002 Lizenziat in Pädagogischer Psychologie
2002-2009 Dozentin an der PH Zentralschweiz

 

Was machen Sie zurzeit beruflich und wie gefällt Ihnen Ihre Arbeit? 

Ich bin Professorin für Grundschulpädagogik mit dem Schwerpunkt Sachunterricht an der Universität Koblenz-Landau in Landau in der Pfalz und Leiterin des Arbeitsbereichs. Mir gefällt diese Arbeit sehr, da sie sehr vielfältig ist.
In Landau gibt es insgesamt über 1000 Grundschulstudierende. Meine Forschung ist vielseitig, momentan habe ich in meiner Arbeitsgruppe 6 parallele Drittmittelprojekte, hinzu kommen Anträge für neue Projekte und Publikationen. Meine Lehre kommt mit den üblichen 9 SWS auch nicht zu kurz. Ich finde es herausfordernd, die Lehre forschungsbasiert zu gestalten und Theorie mit Praxis zu verknüpfen, wenn 45 Studierende im Seminar sitzen. In jedem Semester laden wir Kinder an die Uni ein, damit die Studierenden im Seminar kleine Aktionen theoriebasiert erproben können. Auch für die Forschung sind wir in Kitas und Grundschulen, da gehe ich oft am Anfang eines Projekts mit, um ein Gespür für die Situation zu bekommen.

Was waren die wichtigsten Weichenstellungen auf Ihrem Weg dahin

Am Wichtigsten waren immer Menschen, die an meine Fähigkeiten geglaubt hatten und mich unterstützt hatten – sei es dadurch, dass sie ein offenes Ohr für meine Anliegen hatten, meine Freude an der Forschung und Lehre teilten oder einfach Lust hatten, mit mir nachzudenken.
Ich wollte viel über das Lernen von Kindern lernen und hatte die Ausbildung zur Kindergärtnerin im Glauben gemacht, dass hier mein Wissensdurst gestillt würde. Dem war aber nicht so. Nach 10 Jahren unterrichten in Kindergärten in Schweden und in der Schweiz holte ich zunächst berufsbegleitend die Matura nach. Sehr bald wusste ich, dass ich bei Kurt Reusser pädagogische Psychologie studieren wollte, da mir die Mischung aus Entwicklungspsychologie und Lehr-Lernpsychologie das schien, was ich schon immer gesucht hatte.
Nach dem Lizentiat konnte ich eine Stelle an der damaligen PHZ in Schwyz antreten, wo ich den Studiengang Kindergarten/Unterstufe mitgestalten durfte. Hier konnte ich alle bisherigen Interessen einbringen. Sehr bald arbeitete ich auch an der PHZ in Luzern als Dozentin. Gleichzeitig war ich für die Organisation des sogenannten Pythagoras-Projekts bei Kurt Reusser verantwortlich und schrieb darin auch meine Dissertation im Bereich der Unterrichtsforschung in der Sekundarstufe.
Ich wollte meine Kenntnisse, die ich in der Dissertation erworben hatte, in die empirische Forschung im Bereich Kindergarten einbringen. Kolleginnen an der PH wie zum Beispiel Kathrin Krammer und Lucia Amberg teilten meine Fragen zum Lernen und Lehren in den ersten Bildungsjahren, der Austausch mit ihnen war sehr gewinnbringend. Die empirische Forschung zur frühen Bildung wurde möglich, nachdem Elsbeth Stern Professorin an die ETH Zürich geworden ist. Sie machte mich mit Henrik Saalbach, heute Uni Leipzig und Ilonca Hardy, heute Uni Frankfurt bekannt. Wir begannen, gemeinsam Forschungsprojekte mit Kindergartenkindern zum Schwimmen und Sinken an der PHZ Schwyz durchzuführen. Die damalige Rektorin, Barbara Seidemann, unterstützte uns und stellte mir Arbeitszeit für die Forschung zur Verfügung. Gleichzeitig bekam ich durch Willi Stadelmann, damaliger Rektor der PHZ, den Auftrag, ein Buch zur Didaktik für die ersten Bildungsjahre herauszugeben. Diese beiden Möglichkeiten waren für mich wichtige Lerngelegenheiten neben dem Verfassen der Promotion.

Und wie ging es weiter nach der Dissertation?

Henrik Saalbach und ich beantragten mit der Unterstützung der PHZ Luzern ein SNF-Projekt. Gleichzeitig wurde ich eingeladen, mich für eine Professur «Naturwissenschaftliche Früherziehung» an der Universität Münster in Nordrhein-Westfalen zu bewerben. Die Genehmigung des Forschungsprojekts und der Ruf nach Münster trafen am genau gleichen Tag im Jahr 2011 ein. Ich entschied mich für Münster, konnte aber meinen Anteil am SNF-Projekt glücklicherweise an Annette Tettenborn von der PHZ Luzern «vererben» und weiterhin im Projekt eine aktive Rolle einnehmen.
In Münster lernte ich bei Kornelia Möller alles über den Sachunterricht, was ich heute weiß. Ich konnte auch zum ersten Mal Mitarbeitende anleiten, mich in der universitären Lehre erproben und Mitarbeitende zum Doktorat führen. Die Eingewöhnung in das deutsche System war nicht immer einfach, aber die an Uni und PH aufgebauten Kompetenzen halfen mir dabei sehr. Münster war jedoch schon sehr weit weg von Freunden und Familie in der Schweiz, auch für meinen Mann, der mit mir nach Deutschland gekommen ist.

Was empfehlen Sie Doktorierenden für ihre Laufbahnplanung?

Wichtig ist, sich gut zu vernetzen sowie Augen und Ohren offen zu halten. Was auch immer man macht, man soll erkennen, ob es Spaß macht und ob man sich wohl fühlt damit. Es ist aber auch sehr wichtig zu versuchen, seine gedachten Grenzen auf die tatsächlichen Grenzen zu erweitern. Meistens sind die tatsächlichen Grenzen nämlich etwas weiter als die gedachten.

Und was planen Sie als nächstes?

Ich mach einfach mal weiter und freue mich am Leben.