{"id":2508,"date":"2023-03-20T11:46:22","date_gmt":"2023-03-20T09:46:22","guid":{"rendered":"https:\/\/www.uzh.ch\/blog\/ife-hbs\/?p=2508"},"modified":"2023-08-16T11:33:47","modified_gmt":"2023-08-16T09:33:47","slug":"erste-daten-zur-hoeheren-beruflichen-bildung-aus-dem-register-ueber-die-diplominhaberinnen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.uzh.ch\/blog\/ife-hbs\/2023\/erste-daten-zur-hoeheren-beruflichen-bildung-aus-dem-register-ueber-die-diplominhaberinnen\/","title":{"rendered":"Erste Daten zur h\u00f6heren beruflichen Bildung aus dem Register \u00fcber die Diplominhaber:innen"},"content":{"rendered":"\n<p>Von Paula Carle, 20. M\u00e4rz 2023<\/p>\n\n\n\n<p>Im Rahmen eines Forschungspraktikums wurde im SNF-Forschungsinfrastrukturprojekt \u00abBildung in Zahlen\u00bb mit der Inventarisierung der Statistik zu den Berufs- und H\u00f6heren Fachpr\u00fcfungen begonnen. Innerhalb des Projekts wurden bereits Daten zur Anzahl der jeweils ausgestellten Diplome der Berufs- und H\u00f6heren Fachpr\u00fcfung pro Beruf gesammelt. Diese konnten aus den statistischen Jahresberichten des Bundesamtes f\u00fcr Industrie, Gewerbe und Arbeit (BIGA) entnommen werden, die in der Zeitschrift \u00abDie Volkswirtschaft\u00bb publiziert wurden.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Das Ziel des Forschungspraktikums stellte die Nachinventarisierung der Geschlechterdaten und der Angaben zum Wohnkanton der Pr\u00fcfungsgsabsolvierenden f\u00fcr den Zeitraum von 1934\u20131984 dar. Dazu wurde aus dem Bestand des Bundesarchivs das Register herangezogen, in dem alle Angaben \u00fcber die Diplominhaber:innen gem\u00e4ss der Verordnung I zum Bundesgesetz \u00fcber die berufliche Ausbildung vom 26. Juni 1930 eingetragen wurden (vgl. Art. 42).<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Kontext<\/h3>\n\n\n\n<p>Die Meisterpr\u00fcfung, H\u00f6here Fachpr\u00fcfung (und sp\u00e4ter die Berufspr\u00fcfung) wurden mit dem 1933 in Kraft getretenen Bundesgesetz \u00fcber die berufliche Ausbildung erstmals staatlich geregelt, bzw. die Meisterpr\u00fcfung damit gesetzlich verankert (BIGA, 1937). Die Reglementierung dieses Bereichs verfolgte zwei Ziele: Einerseits sollte die \u00dcberpr\u00fcfung der F\u00e4higkeiten und Kenntnisse zur selbst\u00e4ndigen Aus\u00fcbung des Berufs f\u00fchren und berechtigte zur Betriebsf\u00fchrung, andererseits sollte sie zur allgemeinen Qualit\u00e4tssicherung beitragen (Wettstein, 2020). Im Laufe des 20. Jahrhunderts differenzierte sich dieser Bildungszweig der h\u00f6heren beruflichen Bildung aus, indem ab 1966 die Berufspr\u00fcfung hinzukam.<\/p>\n\n\n\n<p>Mit den bereits inventarisierten Daten k\u00f6nnen erste inhaltliche Aussagen \u00fcber die Etablierung der Meisterpr\u00fcfung bzw. H\u00f6heren Fachpr\u00fcfung, und ab 1966 der Berufspr\u00fcfung gemacht werden, die zur quantitativen Entwicklung der Terti\u00e4rstufe im 20. Jahrhundert (vgl. Wettstein, 2020) beitragen.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Folgenden wird das Vorgehen bei der Inventarisierung der Daten kurz beschrieben und versucht, zu ersten Aspekten des gewonnenen Datenmaterials inhaltliche Aussagen zu treffen.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>Inventarisierung der Daten<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p>Zun\u00e4chst wurden die durch das Bundesarchiv bereitgestellten Quellen gesichtet und ein erster grober \u00dcberblick \u00fcber die mehr als 6000 Seiten Datenmenge gewonnen. Anschliessend galt es mit Unterst\u00fctzung des Projektteams eine Excel-Eingabemaske zu entwickeln, in der die ben\u00f6tigten Kategorien, wie die Art des Berufspr\u00fcfungstyps, das Geschlecht, Pr\u00fcfungsjahr sowie der Wohnort der Pr\u00fcfungsabsolvierenden tabellarisch erfasst werden. Mithilfe einer Scan-Software konnte ein grosser Teil der Quellen direkt inventarisiert werden. Der andere Teil musste manuell erfasst werden. Im Rahmen des Forschungspraktikums konnte bislang ca. ein Drittel der Daten erfasst werden. Die restliche Inventarisierung steht noch aus.<\/p>\n\n\n\n<p>Zu den f\u00fcnf (von den inventarisierten 45) Berufen, f\u00fcr die am h\u00e4ufigsten ein Diplom erworben wurde, geh\u00f6ren der diplomierte Buchhalter, diplomierte Automechaniker, diplomierte Bankbeamter, die diplomierte B\u00e4uerin und der Betriebsfachmann mit eidgen\u00f6ssischem Fachausweis.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>Entwicklung der h\u00f6heren Berufsbildung im 20. Jahrhundert \u2013 erste Befunde<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p>Aus dem bereits erfassten Material l\u00e4sst sich sehr deutlich das quantitative Wachstum der h\u00f6heren beruflichen Bildung ableiten. Die folgende Grafik zeigt, wie die Anzahl der ausgestellten Diplome im Laufe der Untersuchungsperiode f\u00fcr beide Geschlechter stieg:<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><a href=\"https:\/\/www.uzh.ch\/blog\/ife-hbs\/files\/2023\/03\/Carle_Abb1.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"481\" src=\"https:\/\/www.uzh.ch\/blog\/ife-hbs\/files\/2023\/03\/Carle_Abb1-1024x481.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-2510\" srcset=\"https:\/\/www.uzh.ch\/blog\/ife-hbs\/files\/2023\/03\/Carle_Abb1-1024x481.png 1024w, https:\/\/www.uzh.ch\/blog\/ife-hbs\/files\/2023\/03\/Carle_Abb1-300x141.png 300w, https:\/\/www.uzh.ch\/blog\/ife-hbs\/files\/2023\/03\/Carle_Abb1-768x361.png 768w, https:\/\/www.uzh.ch\/blog\/ife-hbs\/files\/2023\/03\/Carle_Abb1-1536x721.png 1536w, https:\/\/www.uzh.ch\/blog\/ife-hbs\/files\/2023\/03\/Carle_Abb1-220x103.png 220w, https:\/\/www.uzh.ch\/blog\/ife-hbs\/files\/2023\/03\/Carle_Abb1.png 2030w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/a><figcaption class=\"wp-element-caption\"><em>Grafik 1: Anzahl vergebener Diplome nach Geschlecht f\u00fcr die bereits inventarisierten Berufe, 1934-1984 (eigene Darstellung)<\/em><\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>Es zeigt sich dabei eine klare Geschlechterdifferenz. Im Untersuchungszeitraum erwarben \u00fcberwiegend M\u00e4nner ein Diplom der h\u00f6heren beruflichen Bildung. Obwohl noch nicht alle Berufsgruppen inventarisiert werden konnten, ist anzunehmen, dass sich dieser Gap zwischen den Geschlechtern f\u00fcr den zu untersuchenden Zeitraum weiterhin abzeichnen wird.<\/p>\n\n\n\n<p>Der starke Anstieg bei den Frauen ab den 1960er- Jahren in diesem Ausschnitt der Daten ist auf das Hinzukommen der H\u00f6heren Fachpr\u00fcfung zur diplomierten B\u00e4uerin zu erkl\u00e4ren. Das starke Wachstum bei den M\u00e4nnern ab den 1978er-Jahren ist auf die neu hinzukommende Berufspr\u00fcfung zum Betriebsfachmann mit eidgen\u00f6ssischem Fachausweis zur\u00fcckzuf\u00fchren.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\"><strong>Differenzierungsmerkmale<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<p>Von den bisher untersuchten Berufen findet sich beim diplomierten Buchhalter die h\u00f6chste Anzahl Frauen in einem klassischen M\u00e4nnerberuf. Die Zahl diplomierter Buchhalterinnen stieg \u00fcber den Untersuchungszeitraum sukzessiv:<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><a href=\"https:\/\/www.uzh.ch\/blog\/ife-hbs\/files\/2023\/03\/Carle_Abb2.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"920\" height=\"520\" src=\"https:\/\/www.uzh.ch\/blog\/ife-hbs\/files\/2023\/03\/Carle_Abb2.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-2511\" srcset=\"https:\/\/www.uzh.ch\/blog\/ife-hbs\/files\/2023\/03\/Carle_Abb2.png 920w, https:\/\/www.uzh.ch\/blog\/ife-hbs\/files\/2023\/03\/Carle_Abb2-300x170.png 300w, https:\/\/www.uzh.ch\/blog\/ife-hbs\/files\/2023\/03\/Carle_Abb2-768x434.png 768w, https:\/\/www.uzh.ch\/blog\/ife-hbs\/files\/2023\/03\/Carle_Abb2-220x124.png 220w\" sizes=\"auto, (max-width: 920px) 100vw, 920px\" \/><\/a><figcaption class=\"wp-element-caption\"><em>Grafik 2: exemplarisches Geschlechterverh\u00e4ltnis Diplomierter Buchhalter (eigene Darstellung)<\/em><\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>\u00dcber die quantitative Verteilung und m\u00f6gliche Entwicklung der einzelnen Diplomtypen, ob Meister, H\u00f6here Fachpr\u00fcfung oder Berufspr\u00fcfung, l\u00e4sst sich aufgrund der Unvollst\u00e4ndigkeit der Daten noch keine Aussage treffen.<\/p>\n\n\n\n<p>\u00dcber die Generierung der Wohnortsangaben der Absolvierenden lassen sich R\u00fcckschl\u00fcsse \u00fcber die Gegebenheiten in den Kantonen (z.B. Bev\u00f6lkerungszahl, Infrastruktur etc.) f\u00fcr die einzelnen Berufe ziehen. Die folgende Grafik zeigt f\u00fcr die bereits inventarisierten Daten die Anzahl aller vergebener Diplome f\u00fcr die sechs am h\u00e4ufigsten eingetragenen Kantone der Deutschschweiz (links) gegen\u00fcber denjenigen der franz\u00f6sischen- und italienischen Schweiz.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><a href=\"https:\/\/www.uzh.ch\/blog\/ife-hbs\/files\/2023\/03\/Carle_Abb3.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"306\" src=\"https:\/\/www.uzh.ch\/blog\/ife-hbs\/files\/2023\/03\/Carle_Abb3-1024x306.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-2512\" srcset=\"https:\/\/www.uzh.ch\/blog\/ife-hbs\/files\/2023\/03\/Carle_Abb3-1024x306.png 1024w, https:\/\/www.uzh.ch\/blog\/ife-hbs\/files\/2023\/03\/Carle_Abb3-300x90.png 300w, https:\/\/www.uzh.ch\/blog\/ife-hbs\/files\/2023\/03\/Carle_Abb3-768x229.png 768w, https:\/\/www.uzh.ch\/blog\/ife-hbs\/files\/2023\/03\/Carle_Abb3-220x66.png 220w, https:\/\/www.uzh.ch\/blog\/ife-hbs\/files\/2023\/03\/Carle_Abb3.png 1390w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/a><figcaption class=\"wp-element-caption\"><em>Grafik 3: Summe der Diplominhabenden pro Kanton (eigene Darstellung)<\/em><\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">R\u00e9sum\u00e9 und Ausblick<\/h3>\n\n\n\n<p>Obschon ich bereits einiges \u00fcber das Projekt \u00abBildung in Zahlen\u00bb mitbekommen habe, erlangte ich erst im Verlauf meines Praktikums eine Vorstellung dar\u00fcber, wie umfangreich und kleinschrittig die sorgf\u00e4ltige Inventarisierung so vieler verschiedener Daten aussieht. F\u00fcr meinen weiteren Studienverlauf werde ich sicherlich auf die gewonnenen Lernerfahrungen im Umgang mit Excel sowie der Inventarisierung und Interpretation von Daten zur\u00fcckgreifen k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Sobald die restlichen Quellen inventarisiert sind, lassen sich allgemeinere Aussagen \u00fcber die Geschlechterverteilung, \u00fcber die H\u00e4ufigkeit der einzelnen Diplomtypen sowie \u00fcber die Anzahl absolvierter Pr\u00fcfungen treffen. Ausserdem kann dann analysiert werden, welche m\u00f6gliche Rolle den Kantonen mit der Erm\u00f6glichung von Pr\u00fcfungsgelegenheiten zukommt bzw. ob diese in Zusammenhang mit der Anzahl absolvierter Pr\u00fcfungen stehen. In einem n\u00e4chsten Schritt k\u00f6nnte auch das Verh\u00e4ltnis der Lehrabschl\u00fcsse zu den Abschl\u00fcssen der h\u00f6heren beruflichen Bildung untersucht werden.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Literatur<\/h3>\n\n\n\n<p>Verordnung I zum Bundesgesetz \u00fcber die Berufsbildung vom 26. Juni 1930.<br>Bundesamt f\u00fcr Industrie, Gewerbe und Arbeit, BIGA (1937). Meisterpr\u00fcfungen 1934\u20131936. In: Die Volkswirtschaft, 10(8), 402-403.<br>Wettstein, E. (2020). Berufsbildung. Entwicklung des Schweizer Systems. Bern: hep-Verlag.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Paula Carle, 20. M\u00e4rz 2023 Im Rahmen eines Forschungspraktikums wurde im SNF-Forschungsinfrastrukturprojekt \u00abBildung in Zahlen\u00bb mit der Inventarisierung der Statistik zu den Berufs- und H\u00f6heren Fachpr\u00fcfungen begonnen. Innerhalb des Projekts wurden bereits Daten zur Anzahl der jeweils ausgestellten Diplome der Berufs- und H\u00f6heren Fachpr\u00fcfung pro Beruf gesammelt. Diese konnten aus den statistischen Jahresberichten des [&#8230;]<\/p>\n","protected":false},"author":748,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1,99,3,4],"tags":[50,66,22,253,226],"class_list":["post-2508","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-forschung","category-forschung-laufend","category-lehre","category-publikationen","tag-berufsbildung","tag-bildung-in-zahlen","tag-bildungsgeschichte","tag-carle","tag-forschungspraktikum"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.uzh.ch\/blog\/ife-hbs\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2508","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.uzh.ch\/blog\/ife-hbs\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.uzh.ch\/blog\/ife-hbs\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.uzh.ch\/blog\/ife-hbs\/wp-json\/wp\/v2\/users\/748"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.uzh.ch\/blog\/ife-hbs\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2508"}],"version-history":[{"count":8,"href":"https:\/\/www.uzh.ch\/blog\/ife-hbs\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2508\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2519,"href":"https:\/\/www.uzh.ch\/blog\/ife-hbs\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2508\/revisions\/2519"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.uzh.ch\/blog\/ife-hbs\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2508"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.uzh.ch\/blog\/ife-hbs\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2508"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.uzh.ch\/blog\/ife-hbs\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2508"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}