
Giudici Anja & Grizelj, Sandra (2014).
Vom Berufs- und Elitewissen zum Garant des nationalen Zusammenhalts. Die Fremdsprachen in den Lehrplänen der Schweizer Volksschulen seit 1830.
Babylonia (3): 62-67.
Volltext über Babylonia
Das Erlernen mindestens einer Fremdsprache wird heute als selbstverständlicher Bestandteil der Schulbildung betrachtet. Gleichermassen selbstverständlich wird davon ausgegangen, dass die Schule das Fundament für das Zusammenleben in der mehrsprachigen Schweiz zu legen und der schulische Fremdsprachenunterricht seinen Teil dazu beizutragen habe. Anhand der Analyse des Diskurses rund um den Fremdsprachenunterricht sowie seiner Entwicklung und Stellung im Fächerkanon, wird in diesem Artikel aufgezeigt, dass diese Selbstverständlichkeiten keineswegs historische Konstanten sind. Die Entwicklung des Fremdsprachenunterrichts ist durch wirtschaftliche, pädagogische und nationalpolitische Dimensionen geprägt. Zumindest bis zum Ersten Weltkrieg wurde er im Spannungsfeld zwischen wirtschaftlichem Nutzen und pädagogischen Möglichkeiten ausgehandelt. Man ging davon aus, dass das Erlernen einer Fremdsprache für die grosse Mehrheit unmöglich sei, d.h. der Unterricht wurde auf diejenigen Schülerinnen und Schüler beschränkt, für die Fremdsprachen später in ihrem praktischen Leben nützlich waren. Erst die inneren Spannungen um den Ersten Weltkrieg führten zur nationalpolitischen Überformung dieser Debatte. Für die aktuelle Diskussion zum Fremdsprachenunterricht ist es deshalb wichtig, die heutigen Argumente historisch einzuordnen und zu reflektieren.

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