Master Forschungsseminare

Schwerpunktübergreifendes Forschungsseminar mit Beginn HS 2022

Titel:

Wer ist normal? Vorstellungen kindlicher und jugendlicher «A/Normalität» im Kontext (sonder-)pädagogischer Praxis und Wissenschaft – historisch und aktuell

Beschreibun

Spätestens seit der Mitte des 19. Jahrhunderts wurden Theorien und Vorstellungen von «A/Normalität» im Zusammenhang mit Erziehung und Bildung zunehmend wichtig. Durch die entstehenden sonderpädagogischen Angebote und sozialpädagogischen Einrichtungen wurde die Volksschule zur «Regelschule», die von allen Kindern, die als geistig und körperlich «normal» angesehen wurden, besucht werden sollte. Für Kinder, die als «anormal» galten, wurden neue Formen des Unterrichts und der (stationären) Betreuung gesucht und gefunden. Die sich verändernde und ausdifferenzierende Schul- und Heimlandschaft sowie Angebote wie DaZ, Begabtenförderung, integrative Förderung stellten und stellen Praktiker:innen und Wissenschaftler:innen vor die Herausforderung, zwischen «normalen» und «anormalen» Kindern zu unterscheiden.

Das Forschungsseminar fokussiert das Wechselspiel von «Normalität» und «Anormalität». Die beiden Konzepte bedingen einander gegenseitig und lassen sich nicht unabhängig voneinander verstehen und erklären. Im Zentrum des Seminars stehen folgende Fragen: Welches Wissen über kindliche und jugendliche «A/Normalität» wurde im Laufe der Zeit produziert? Wie hat sich dieses Wissen verändert? Welche Instanzen und Institutionen waren und sind an der Wissensproduktion beteiligt? Welche Rolle spielten und spielen Erziehung, Bildung und Schule in diesem Prozess? Welche Vorstellungen von «Normalität» (z.B. bezüglich Verhalten) haben Lehrpersonen? An welchen Normen oder Normalitätsvorstellungen orientieren sich Fachpersonen, die für die Zusprache bestimmter Massnahmen zuständig sind?

Ausgehend von den hier skizzierten Themenschwerpunkten werden die Studierenden im Seminar dazu angeleitet, eine eigenständige Forschungsarbeit zu konzipieren und durchführen. Die studentischen Forschungsprojekte sind entweder gegenwartsbezogen quantitativ oder qualitativ ausgerichtet oder historisch angelegt. Sie werden entweder auf der Basis von öffentlich zugänglichen Bildungsdaten, von selbst erhobenem Datenmaterial oder von am Lehrstuhl SBI bereits vorhandenen Interviewdaten bzw. von Archiv- und anderen Quellenmaterialien erarbeitet. Aufgrund der weit gefassten Forschungsperspektive können unterschiedliche Fragestellungen mit verschiedenen erziehungswissenschaftlichen Forschungsmethoden bearbeitet werden, so dass das Forschungsseminar eine grosse Bandbreite an Interessenslagen von Studierenden abzudecken vermag.

Zeitfenster: Freitag, 8-12 Uhr, diverse Termine siehe VVZ
Dozierende:

Dr. Michèle Hofmann, Simon Luger

Modulverantwortung: Prof. Dr. Peter Rieker

Schwerpunktübergreifendes Forschungsseminar mit Beginn FS 2022

Titel:

Unterrichts- und Schulentwicklung an Gymnasien im Kontext vor- und nachgelagerter Schulstufen, gesellschaftlicher Entwicklungen und Megatrends

Beschreibung

Im thematischen Fokus des Forschungsseminars steht die Entwicklung der Einzelschule auf verschiedenen Schulstufen  und als Teil des gesamten Bildungssystems. Educational Governance untersucht die Steuerung und Koordination von Akteuren in schulischen Bildungsprozessen in einem Mehrebenensystem. Die Interaktion zwischen Institutionen und Akteure sind komplex und von aussen betrachtet nicht immer trennscharf. Die Studierenden erhalten die Möglichkeit, diese Komplexität im echten Schulumfeld kennenzulernen und in kleinen Forschungsprojekten zu untersuchen. Auswahl von Themen (nicht abschliessend): Bottom-up und top-down Schulentwicklungsprozesse, Zusammenarbeit mit ausserschulischen Akteuren (Eltern, soziale Institutionen); Übergänge zwischen Schulstufen; Umsetzung des Lehrplans 21, Vorbereitung auf Gymnasium an Primar- und Bezirksschulen; Unterrichts- und Schulentwicklung an Gymnasien; Zusammenarbeit mit Hochschulstufen, Studienwahl / Studienberatung. Zentrale Fragestellungen sind:

  • Wie interagieren Institutionen und Akteure in Bezug auf Schulentwicklung? (Theoretisch und aus der Sicht der Schule)
  • Wie schlagen sich gesellschaftliche Megatrends wie Digitalisierung, Migration, Globalisierung, Diversitätsforderungen, Nachhaltigkeitsforderungen in Schul- und Unterrichtsentwicklung auf verschiedenen Schulstufen und in ausserschulischen Kontexten nieder?
  • Welche Rollen und Aufgaben haben schulische und ausserschulische Akteure in Schulentwicklungsprozessen? Wie laufen Prozesse ab?
  • Wie werden die schulischen Prozesse professionalisiert und die Qualität des Lernangebots optimiert, so dass die Förderung verschiedenster Schüler*nnen (unterschiedlicher Herkunft, mit und ohne Recht auf Nachteilsausgleich etc.) gestärkt werden kann und alle Schüler*nnen die Bildungsziele auf hohem Niveau erreichen können?
  • Wie werden Übergangsprozesse von den Zubringerschulen zum Gymnasium und vom Gymnasium an die Hochschulen von verschiedenen Akteuren erlebt und zu optimieren versucht?

Nach theoretischer Auseinandersetzung mit der Theorie und Empirie zur Educational Governance, zu Schulentwicklungsprozessen und zu Schulqualität haben die Studierenden die Möglichkeit für ihre Seminarprojekte unter der Leitung der Dozierenden eigene Fragestellungen zu entwickeln. Im Rahmen des Seminars erhalten die Studierenden einen Überblick über die aktuellen Schulentwicklungsthemen an einem Gymnasium, dazu gehören unter anderem:

  • die kantonalen Bildungsprozesse (Reform der Lehrpläne, der Stundentafel)
  • die Unterrichtsentwicklung (z.B. das Evaluations- und Feedbacksystem zum eigenen Unterricht im Kollegium)
  • Vorbereitungen der SchülerInnen auf das Studium (Beratungsangebote, Wissenschaftspropädeutik, Förderung überfachlicher und basaler Kompetenzen)
  • Pflege von Schul- und Kooperationskultur

Die Studierenden können mittels unterschiedlicher Methoden Daten sammeln (Interviews und/oder Fokusgruppeninterviews, Befragungen, Dokumentenanalysen durchführen) und diese analysieren, punktuell auch in Zusammenarbeit mit Methodenstellen (z.B. in der Werkstatt der Dokumentarischen Methode am Institut der Erziehungswissenschaft). Die Ergebnisse werden in Form eines Projektberichts festgehalten und in wissenschaftlichen Postern und/oder Vorträgen präsentiert. Es besteht die Möglichkeit (ausgewählte) Ergebnisse an der Neuen Kantonsschule Aarau zu präsentieren.

Zeitfenster: Freitag, 8-12 Uhr, 14-täglich
Dozierende:

Dr. Maren Oepke, Dr. Katriina Vasarik Staub

Modulverantwortung: Prof. Dr. Peter Rieker