MA-Forschungsseminare

Profilübergreifendes Forschungsseminar mit Beginn FS 2019

Titel: Kinder und Jugendliche in migrationsgesellschaftlichen Ungleichheitsverhältnissen
Kurzbeschreibung

Schulische, wie auch ausserschulische Bildungsprozesse finden unter Bedingungen migrationsgesellschaftlicher Ungleichheitsverhältnisse statt. Die jeweiligen sozialen Kontexte, in denen Kinder und Jugendliche aufwachsen und sich bewegen, prägen ihre sozialen Verwirklichungschancen sowie ihre individuellen Entwicklungsmöglich-keiten und spielen für die Gestaltung des Lebenslaufs eine grosse Rolle. Diese Kontexte und Bedingungen des Aufwachsens lassen sich unter ganz unterschiedlichen Blickwinkeln und Fragestellungen empirisch untersuchen.

Erziehungswissenschaftliche Forschung tendiert dazu, Kontexte des Aufwachsens normativ zu bewerten, sie bietet jedoch auch eine Vielfalt von theoretisch-empirischen Zugängen, sich Lebenswirklichkeiten beobachtend und verstehend anzunähern, statt diese zu bewerten. Wieauch in diesen Zugängen der Blick für strukturelle Ungleich-heitsverhältnisse offen gehalten werden kann, ist in der Forschung immer wieder eine Herausforderung. In neueren Publikationen werden dabei verschiedene Zusammenhänge thematisiert. Besonders hervorgehoben wird dabei die Bedeutung von Schutzräumen, aber eben auch die altersadäquate „Zumutung“ von Herausforderungen, die Möglichkeitsräume eröffnen.

Gerade im Kontext aktueller gesellschaftlicher Diskurse und dem Vormarsch populistischer Bewegungen bzw. Parteien in Europa ist es bedeutsam, Wissen zu Bedingungen des Aufwachsens von Kindern und Jugendlichen in migrationsgesellschaftlichen Ungleichheitsverhältnissen zu generieren. Vor dem Hintergrund, dass aktuelle Migrationsbewegungen keineswegs eine Neuerung darstellen, sondern das Zusammenleben in Europa schon immer geprägt haben, lassen sich empirisch gesehen historische und gegenwartsbezogene Forschungszugänge gewinnbringend verknüpfen.

Das hier skizzierte Forschungsseminar möchte in diesem Sinne die Möglichkeit bieten, aktuelle und historische Bedingungen des Aufwachsens von Kindern und Jugendlichen mit unterschiedlichen methodischen Zugängen in den Blick zu nehmen und einfache Deutungen von „günstigen“ und weniger „günstigen“ Bedingungen des Aufwachsens hinterfragen. Hierfür werden zunächst aktuelle gesellschaftliche Entwicklungen in einem zeithistorischen Zusammenhang betrachtet, bevor erkenntnistheoretische und methodologische Fragen hinsichtlich der Erkenntnismöglichkeiten unterschiedlicher methodischer Zugänge mit den Studierenden diskutiert werden. So eingeführt erarbeiten die Studierenden in einem zweiten Schritt in kleinen Gruppen eigenständig ein spezifisches Erkenntnisinteresse und eine empirische Fragestellung, auf deren Basis sie in fortwährendem Austausch mit den Dozierenden, aber auch der Seminargruppe über zwei Semester hinweg ein eigenes Forschungsprojekt von der Konzeption über die Erhebung bis zu einer Präsentation erster Ergebnisse entwickeln.

Thematisch konzentriert sich das Forschungsseminar auf Bedingungen des Aufwachsens von Kindern und Jugendlichen im Kontext formal qualifizierender, aber auch informeller Bildungsprozesse im Rahmen migrationsgesellschaftlicher Ungleichheitsverhältnisse. Die vorliegenden Ergebnisse quantitativer, qualitativer und historischer Untersuchungen zum Thema stellen wichtige Informationen zur Formulierung der Erkenntnis-interessen und Forschungsfragen zur Verfügung. Die Projekte der Studierenden sind entweder gegenwarts-bezogen qualitativ oder historisch angelegt und verfolgen ihre Fragestellung entweder auf der Basis eigener Erhebungen oder von Archivrecherchen. Sie richten sich inhaltlich wie methodisch – innerhalb des skizzierten thematischen Spektrums – nach den Interessen der Teilnehmerinnen und Teilnehmer und werden von den beiden Dozierenden intensiv betreut.

Zeitfenster: Freitag, 10-14 Uhr, 14-täglich
Dozierende:

Rebecca Mörgen und Dr. Anna Schnitzer

Modulverantwortung: Prof. Dr. Peter Rieker

Profilübergreifendes Forschungsseminar mit Beginn HS 2018

Titel: Fragen der Pädagogischen Profession und Professionalität sowie des professionellen Handelns
Kurzbeschreibung:

Der Professionsbegriff kann als positiv konnotierter, hegemonialer Begriff verstanden werden. Eine pädagogische Profession bezeichnet einen Beruf im pädagogischen Feld, der sich je nach Definition durch spezielle, als wertvoll erachtete Eigenschaften auszeichnet. Die pädagogische Professionalität wird als wünschenswerter Zustand verstanden, der auf die Qualität berufsbezogenen Handelns und somit auf die Befähigung beruflicher Rollenträger*innen hinweist. Professionelles Handeln wird mit gutem, richtigem oder kompetentem Handeln gleichgesetzt. Als hegemonialer Begriff verliert sich im Professionsbegriff jedoch der Inhalt, und es stellt sich die Frage, was Profession/Professionalität/professionelles Handeln je nach Denkstil bedeutet und welche Funktion die Begriffe in unterschiedlichen Diskursen einnehmen. Dies stellt den Ausgangspunkt und das Interesse des Forschungsseminars dar und soll ermöglichen, sich in professionsbezogene Fragen zu vertiefen.

Erstens kann die Frage nach (dem Wandel) der Bedeutung und Beschaffenheit pädagogischer Professionalität kritisch diskutiert und analysiert werden. Professionelle Handlungsfelder von Pädagoginnen und Pädagogen sind durch Ambivalenzen, Ambiguitäten und Unsicherheiten geprägt. Gerade diese Charakteristiken verleihen der Frage der Legitimität pädagogischen Handelns aber auch der pädagogi-schen Professionalität besondere Relevanz.

Zweitens können die durch die Professionalisierung verstärkte Rollenidentifikation und die damit ein-hergehenden Zuständigkeiten der Professionen in pädagogischen Feldern reflektiert werden. Dazu gehört einerseits die Analyse einzelner Professionen im Sinne von Rollenideologien, andererseits das Hervorbringen von professionellen Zuständigkeitsbereichen in der Zusammenarbeit in pädagogischen Feldern.

Drittens kann die Relation von Gesellschaft, Individuum und Profession in pädagogischen Feldern fokussiert werden. Dabei kann auf gesellschaftliche Anerkennungsverhältnisse, aber auch auf das Selbstverständnis von Professionellen und der identitätsstiftenden Funktion Bezug genommen werden.

Für Studierende der Erziehungswissenschaft lohnt es sich – auch hinsichtlich des eigenen professionellen Selbstverständnisses –, sich mit der Frage der Professionalität in pädagogischen Feldern auseinanderzusetzen. Die Fragen betreffen sowohl den allgemeinbildenden elementaren und gymnasialen Bereich, als auch die Felder der Berufsbildung, von ausserschulischen Angeboten sowie der Sonder- und Sozialpädagogik. Das bewusst breit gefasste und doch inhaltlich gerahmte Thema des Forschungsseminars bietet viele interessante Fragestellungen, die mit unterschiedlichen Methoden (qualitativ, quantitativ, textanalytisch, historisch) angegangen werden können. Die Dozierenden bringen insbesondere methodische Kenntnisse aus der quantitativen bzw. qualitativen Forschungstradition mit, werden jedoch eng mit den Forschungsstellen zusammenarbeiten, so dass alle Studierenden in ihrem Forschungsprozess professionelle Unterstützung erhalten.

Ziel des Forschungsseminars ist es, das wissenschaftliche Arbeiten der Lernenden prozessorientiert zu begleiten und zu unterstützen. Als Abschluss ist die Herausgabe einer eigenen, internen Zeitschrift mit Peer-Review geplant.

Zeitfenster: Freitag, 8-12 Uhr, unregelmässig, siehe konkrete Termine im VVZ
Dozierende: Dr. Sarah Forster-Heinzer und David Labhart
Modulverantwortung: Prof. Dr. Roland Reichenbach und Prof. Dr. Elisabeth Moser Opitz

Profilübergreifendes Forschungsseminar mit Beginn FS 2018

Titel:

Big Data in Education: Steuerungsimpulse durch statistische Daten (data-driven decision-making)

Kurzbeschreibung:

Die digitale Revolution führt dazu, dass immer mehr Daten erhoben und gespeichert werden. Im letzten Jahrhundert war Erdöl der wichtigste Rohstoff der modernen Industriegesellschaft, heute nehmen Big Data und Wissen diese Funktion ein. Welche Big Data werden zur Steuerung der Bildung in einer datengestützten Bildungspolitik überhaupt zur Verfügung gestellt? Und wie leiten sie auf der Basis von „evidence based policy“ bildungsrelevante Entscheidungen? Wir gehen davon aus, dass das Wissen zu Erhebungen und der Umgang mit bildungs- und steuerungsrelevanten Daten für die Studierenden der Erziehungswissenschaften von grösster Bedeutung sind. Big Data wird heute oft in Bezug gesetzt zu a) Datenerhebung und -verarbeitung: z.B. Large-Scale assessments, Online-Erhebungen, Datenspeicherung (Anonymität der Daten), Replizierbarkeit der Ergebnisse, etc. und b) Datenverwertung: z.B. Datenpräsentation, Monitoring, Legitimierung und Verbesserung von bildungspolitischen Entscheidungsprozessen. Um die aktuellen Entwicklungen in diesem Themengebiet nachzuvollziehen, wird der Zyklus der Datenerhebung, -verarbeitung und -verwertung im Seminar in einen historischen Kontext eingebettet sein. Die Anfänge der Bildungsstatistik im 19. Jahrhundert und ihre Professionalisierung – u.a. innerhalb der Bildungsplanungsstellen der Kantone – werden genauso thematisiert wie die Entstehung der aktuellen Steuerungsansätze, die stärker auf Daten/Output/Outcome fokussieren (evidence based policy). Dabei geht es weniger um die konkrete Bearbeitung von Big Data-Datensätzen als um ein kritisches Nachdenken über Big Data, den Umgang mit solchen Daten, ihre Aufbereitung und (intuitiv verständlichen) Darstellung bis hin zur Transferthematik.

Die unterschiedlichen Forschungsperspektiven, die am IfE vertreten sind, werden durch die bewusst weit gefasste Themenvorgabe berücksichtigt. Unser Seminarkonzept bietet explizit eine breite Palette an Forschungsansätzen (qualitative, historische, textanalytische oder quantitative) an, welche abhängig von der Fragestellung gewählt werden. Die Dozierenden arbeiten mit der Fachstelle Methoden am IfE zusammen, um unterschiedliche methodische Herangehensweisen der Studierenden professionell unterstützen zu können. Zudem arbeiten die Dozierenden spezifisch für dieses Forschungsseminar mit weiteren Partnern (z.B. SKBF, Schweizerische Nationalbibliothek, Bildungsplanung Kanton Zürich, Institut für Bildungsevaluation UZH) zusammen. Die Studierenden werden daher von der Fragestellung bis zum fertigen Forschungsergebnis kompetent begleitet.

Mögliche Themen (Fragestellungen) für die Forschungsarbeiten der Studierenden könnten sein:

  1. Datenerhebung und -verarbeitung:
    • Wie hat sich die Datenaufbereitung für die Steuerung im Laufe der Zeit inhaltlich und methodisch verändert?
    • Welche Datenqualität bieten Online-Erhebungen?
    • Wie könnte die zukünftige Datenerhebung für die bildungspolitische Steuerung verbessert werden?
  2. Datenverwertung:
  • Wie werden Daten zu Steuerungszwecken dargestellt?
  • Wie fliessen die Daten in den bildungspolitischen Prozess ein (durch wen? in welchem Aggregationsstatus? zu welchem Zweck und mit welchem Resultat?)
  • Welche Daten werden für Steuerungsentscheide zur Verfügung gestellt?
  • Wie müssen Ergebnisse für Praxispartner/innen aufbereitet sein?

Das Seminar schliesst mit einem öffentlichen Anlass „Big Data für die Steuerung der Bildung“ am IfE ab, den die Studierenden durch die Themen ihrer erstellten Arbeiten mitgestalten.

Zeitfenster: Freitag, 8.00-12.00 Uhr, 14-täglich
Dozierende:

Dr. Esther Kaufmann (LS TEB) und Amanda Nägeli (LS HBS)

Modulverantwortung:

Dr. Esther Kaufmann