Forschungsstelle "Historische und vergleichende Kindheits- und Jugendforschung"
Dr. Michèle Hofmann
Im Zentrum des Forschungsinteresses stehen Kindheit und Jugend, verstanden als soziale und kulturelle Phänomene, d.h. als etwas, das durch gesellschaftliche Strukturierungen, Aushandlungen und Bedeutungszuschreibungen zustande kommt. Solche Strukturierungen, Aushandlungen und Bedeutungszuschreibungen sind keinesfalls konstant, sondern sie verändern sich im Laufe der Zeit. Dementsprechend sind auch Kindheit und Jugend als etwas Wandelbares zu sehen. Die Phänomene Kindheit und Jugend werden nicht nur zeitlich, sondern auch räumlich vergleichend analysiert. Einen besonderen thematischen Schwerpunkt bilden dabei Theorien, Konzepte und Vorstellungen von "A/Normalität", die im Zusammenhang mit Erziehung, Bildung und Schule spätestens seit der Mitte des 19. Jahrhunderts zunehmend wichtig wurden.
Mögliche Themen
Die Studierenden können, in Absprache mit Michèle Hofmann, ihr Thema der Masterarbeit im Rahmen des oben beschriebenen Profils der Forschungsstelle selbst bestimmen.
Es besteht die Möglichkeit, ausgehend von einer Quelle, die sich im Staatsarchiv Zürich befindet, eine Masterarbeit zum Thema «Kindertagebücher» zu schreiben. Bei dieser Quelle handelt es sich um ein Tagebuch, in welchem eine Mutter zu Beginn des 20. Jahrhunderts über die Entwicklung und das Leben eines ihrer Kinder berichtet. Solche Beobachtungstagebücher waren spätestens seit dem 19. Jahrhundert in bürgerlichen Kreisen eine gängige Praxis. Die Tagebücher wurden von Eltern oder Erzieher:innen angefertigt, die darin die Entwicklung ihrer eigenen Kinder oder von Kindern, die sich in ihrer Obhut befanden, festhielten.
Aktuelle Ausschreibung: Masterarbeit zum Thema Elternvereinigungen in der Behindertenrechtsbewegung
Im Rahmen des SNF-Projekts «Disability Struggle (dis/strug) – the Disability Rights Movement in Switzerland» erforschen wir die historische Entwicklung und die sozialen sowie politischen Kämpfe der Behindertenrechtsbewegung in der Schweiz.
Angelehnt an diesen Themenbereich – die Arbeiten sind jedoch eigenständig und nicht an das Projekt gebunden – schreiben wir (historische) Masterarbeiten zum Phänomen der Elternvereinigungen aus. Solche Zusammenschlüsse Angehöriger von Menschen mit Behinderungen entstanden historisch oft aus einem Mangel an staatlicher Unterstützung heraus, um Selbsthilfe zu organisieren, Ressourcen zu bündeln und politische Forderungen zu stellen. Es bietet sich an, den Fokus dabei auf die «Vereinigung Cerebral» zu legen, die erste und früheste Elternvereinigung dieser Art in der Schweiz. Für eine historische Aufarbeitung und Quellenanalyse ist der Zugang zum entsprechenden Archiv gewährleistet und die Bestände wurden bereits gesichtet. Arbeiten zu anderen Vereinigungen sind jedoch ebenso möglich.
Innerhalb dieses Themenfeldes ergeben sich vielfältige Anknüpfungspunkte für Ihre eigene Fragestellung, wie etwa Strategien der Öffentlichkeitsarbeit, Praktiken der Selbsthilfe, Wissensproduktion und Aufklärung, den Kampf um politische Sichtbarkeit oder den Wandel von einer klassischen Elternvereinigung hin zu Konzepten des Empowerments (um ca. 2000).
Wenn Sie Interesse haben, eine (historische) Masterarbeit zum Phänomen der Elternvereinigungen in der Behindertenrechtsbewegung zu schreiben, melden Sie sich bitte bei Prof. Dr. Franziska Felder und Dr. Michèle Hofmann.
Richtlinien/Formalia
Informationen zu den Anforderungen an die Formalia der Qualifikationsarbeiten sind im Merkblatt zur Masterarbeit sowie im Merkblatt zum Verfassen schriftlicher Arbeiten bei der Forschungsstelle (PDF, 159 KB) zu finden.
Kontakt
Forschungsstelle "Historische und vergleichende Kindheits- und Jugendforschung", Dr. Michèle Hofmann: E-Mail